Die Scheinheiligkeit der Debatte über die U-Boote für Israel

Sebastian Bruns │ 08. Juni 2012



„Das Geistige kommt hier zu kurz“ – Die öffentliche Aufregung über die atomare Bewaffnung israelischer U-Boote aus deutscher Produktion ist zutiefst scheinheilig

Was waren das noch für Zeiten: Im Golfkrieg 1990/1991 konnte die frisch wiedervereinigte Bundesrepublik Deutschland tatsächlich alliierten Wünschen nach einem Engagement in der Anti-Hussein-Koalition mit einem lässigen Scheckbuchwedeln entgegnen – zwar fielen 1991 wegen des Krieges die Rosenmontagszüge im Rheinland aus, aber immerhin war die Praxis der Scheckbuchdiplomatie geboren. Bundeskanzler Helmut Kohl und seine Nachfolger im Amt, Gerhard Schröder und Angela Merkel, haben diese zumindest auf einem Feld zu einer Scheckbuchsicherheitspolitik weiterentwickelt – nämlich mit Blick auf die großzügige deutsche Unterstützung beim Bau modernster Unterseeboote für die israelischen Seestreitkräfte, einer Fortführung der jahrzehntelangen Rüstungsunterstützung der Bundesrepublik für Israel.

Deutsche Werften und die dazugehörigen Zulieferer sind Weltmarktführer bei Entwicklung und Bau  außenluftunabhängiger U-Boote. Diese revolutionäre Technik ermöglicht es, länger als konventionelle Boote herkömmlicher Bauart getaucht zu bleiben und sich so der gegnerischen Aufklärung zu entziehen. Auch gestattet neuartige Technologie die Vervielfachung der operativen Reichweite. Darüber hinaus sind die Boote nahezu geräuschlos in Fortbewegung und beim Abschuss von Torpedos oder Marschflugkörpern.

„Alaaaaaarm!“

Weitaus geräuschvoller ist die derzeitige öffentliche Aufregung darüber, dass Israel seine U-Boote der „Dolphin“-Klasse möglicherweise mit Nuklearwaffen ausstatten könnte. Eine Bestätigung oder ein Dementi gibt es, wie in diesen Angelegenheiten international üblich, nicht. Dabei möge man einfach einen Blick auf die Karte der Region werfen – schon wird deutlich, dass Israel nur im Westen mit dem Seeraum Mittelmeer (und im Luftraum sowie im Cyberspace) die so wichtige strategische Tiefe besitzt, die bei einem Angriff auf den Staat zum Tragen kommt. Im Norden, im Osten, im Süden grenzt man hingegen an Länder, die Israel mehr oder minder feindselig gegenüberstehen.

Folglich ist angesichts der existenziellen Bedrohung, der sich die jüdische Nation durch die Vernichtungsrhetorik aus Teheran gegenübersieht, ein Abschreckungspotenzial von ganz erheblicher Bedeutung. Wenn die Frage der nuklearen „Dolphins“ jetzt lanciert wird, so hat das genau diesen Grund: Den Gegner im Unklaren darüber lassen, ob man die Fähigkeit besitzt, auf konventionelle oder gar nukleare Angriffe mit einem nuklearen Vergeltungsschlag zu antworten. Gegenseitige Unsicherheit schafft paradoxerweise eine eisige Stabilität.

Diese Balance der Angst, wie sie in viel größerem Maßstab im Kalten Krieg zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten von Amerika zum Tagesgeschäft gehörte, kann man irrational finden und für verabscheuungswürdig halten. Gerade die Bundesrepublik sollte daran arbeiten, klug zum Abtauen beizutragen. Hingegen in der öffentlichen Debatte dank einer SPIEGEL-Titelstory: Aufregung, Entrüstung, Empörung. Von Differenzierung kaum eine Spur. Man möge aber wenigstens den Versuch unternehmen, die sicherheitspolitischen Zusammenhänge nachzuvollziehen und den politischen Kontext zu verstehen  – erinnert sei an Frau Merkels Worte, nach der das israelische Überleben zur Staaträson der Bundesrepublik gehört. Wie füllt man so etwas denn mit Leben?

„Auf Bananen kann ich nicht navigieren“

Der Wunsch nach einer sicherheitspolitischen Strategie, nach einer verteidigungspolitischen Diskussionskultur und nach einem breiten Konsens wird sich vermutlich mal wieder nicht erfüllen – er ist an dieser Stelle aber in jedem Fall angebracht. Nur so müsste man nicht mehr um das Offensichtliche herumdrucksen. Nur so ließen sich Antworten auch insgesamt in eine klügere Sicherheitspolitik einbetten– eine Sicherheitspolitik, die formuliert und erklärt und einleuchtet, statt sich in hohlen Phrasen und Allgemeinplätzen zu verlieren.

Das Verständnis maritimer Fragen im Allgemeinen und sicherheitspolitischer Fähigkeiten von U-Booten im Besonderen scheint bis heute immer noch von dem Film „Das Boot“ (Regie: Wolfgang Petersen, D 1981), aus dem die Zitate in Titel und Zwischenüberschriften stammen, auszugehen. Aber um Konvoischlachten im Mittelmeer oder Versenkung feindlicher Kriegsschiffformationen im Roten Meer geht es nicht – und für den Tag der Offenen Tür im Marinestützpunkt sind die U-Boote (die im Übrigen einige Arbeitsplätze in der deutschen maritimen Industrie sichern) auch nicht gebaut. Bei der israelischen U-Boot-Komponente geht es zunächst um  Maritime Domain Awarness, also der Fähigkeit, Erkenntnisse zu sammeln und auszuwerten, die für den Konfliktfall von entscheidender Bedeutung sein könnten. Es geht um die Bereitstellung der Fähigkeit, im Konfliktfall den gegnerischen Seeverkehr zu stören (was auch immer das konkret bedeutet), ggf. Spezialkräfte abzusetzen bzw. aufzunehmen und schließlich auch möglicherweise für einen atomaren Schlag zur Verfügung zu stehen.

Wer darüber jetzt erschrocken die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, verkennt die Lage. Die Bundesregierung tut gut daran, erfüllbare politische Forderungen an die Lieferung der Boote zu knüpfen. Das „Drei-Affen-Prinzip“ (nichts hören, nichts sehen, nichts wissen) hingegen ist wenig hilfreich. Die Bundesregierung muss aufpassen, dass es mit solch einer unausgereiften Scheckbuchsicherheitspolitik die Wirkungsmacht in die öffentliche sicherheitspolitische Debatte nicht vollends hergibt.

Sebastian Bruns ist Doktorand an der CAU Kiel.

20 Kommentare

  1. Niklas Anzinger Says:

    „Die Bundesregierung tut gut daran, erfüllbare politische Forderungen an die Lieferung der Boote zu knüpfen. Das “Drei-Affen-Prinzip” (nichts hören, nichts sehen, nichts wissen) hingegen ist wenig hilfreich.“

    Was sollen das denn für Forderungen sein?

    Die große Täuschung an dieser sog. „Scheckbuchdiplomatie“ liegt ja gerade darin, dass Deutschland wohl mit seinen Lieferungen von Waffen und Komponenten zum Bau von Chemiewaffen an Saddams Regime damals (wie heute mit dem iranischen Regime) möglicherweise noch eine ausgeglichene Handelsbilanz hatte. Deutschland ist mitverantwortlich für die Lage, in der sich Israel befindet, d.h. in einer, wie Sebastian Bruns ganz richtig sagt, „existenziellen Bedrohung, der sich die jüdische Nation durch die Vernichtungsrhetorik aus Teheran gegenübersieht“. Maßgebliche Teile des iranischen miitärisch-industriellen Komplexes sind auf deutsche Technologie angewiesen.

    Das halte ich für einen Skandal, der sich nicht nur der moralischen Indifferenz, sondern sich sogar des „heimlichen Einverständnisses“ (Matthias Küntzel) verdächtig macht. Das ist das Problem und nicht eine Art Mangel an sicherheispolitischem Verständnis.

  2. Jan Gregor Triebel Says:

    „Wer darüber jetzt erschrocken die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, verkennt die Lage. Die Bundesregierung tut gut daran, erfüllbare politische Forderungen an die Lieferung der Boote zu knüpfen. Das “Drei-Affen-Prinzip” (nichts hören, nichts sehen, nichts wissen) hingegen ist wenig hilfreich. Die Bundesregierung muss aufpassen, dass es mit solch einer unausgereiften Scheckbuchsicherheitspolitik die Wirkungsmacht in die öffentliche sicherheitspolitische Debatte nicht vollends hergibt.“

    *thumbs-up*

  3. Frank Says:

    Schön auf den Punkt gebracht. Diese Meinung kann ich nur teilen.

  4. Felix Says:

    Vielen Dank!

  5. Sebastian Bruns Says:

    Guten Tag, vielen Dank für die vielen „Likes“, den allgemeinen Zuspruch und die Kommentare an dieser Stelle. Ich möchte gerne auf die letztgenannten eingehen:

    @Niklas Anzinger: Auf die Forderungen in Gegenleistung hat Norman Reppingen hingewiesen. Wie die durchgesetzt bzw. durchsetzbar sind oder waren, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Ich komme gleich noch dazu. Zu Ihrem anderen Punkt: Ich glaube schon, dass auch die deutsche Position im Nahostkonflikt insgesamt von breiterem sicherheitspolitischen Unverständnis zeugt. Gegenüber dem iranischen Nuklearprogramm herrscht eine gewisse Indifferenz; obwohl oder vielleicht gerade wegen der angerissenen wirtschaftlichen Dynamik. Das würde ich aber nicht zu hoch hängen – oder gar Absicht unterstellen. Es ist meiner Ansicht nach eher eine Art Unbedarftheit. Ohne die Diskussionskultur ist es halt schwierig, solche differenzierten Probleme öffentlich auszubreiten. Das ist die Mühe der Ebene, aus dem Teufelskreis „Keine sicherheitspolitische Kultur = kein Verständnis = Driften im Raum = keine Position zu komplexen Thematiken wegen fehlender sicherheitspolitischer Kultur“ auszubrechen.

    @Norman Reppingen: „Das muss ‚Das Boot‘ abkönnen“ 😀 – Ihrem Hinweis nach der Flucht aus der Übernahme historischer Verantwortung, wenn es unangenehm wird, stimme ich voll und ganz zu. Joschka Fischer musste 1999 noch „Kein zweites Auschwitz“ bemühen, um eine Kosovointervention durchzusetzen (unter Farbbeutelwurf und letztendlicher Marginalisierung seiner Position in seiner Partei seit 2005). Das Pawlow’sche Belohungssystem funktioniert in der Politik ja nur selten stringent und nachvollziehbar.

    Aber Politik im Allgemeinen und Sicherheitspolitik im Speziellen ist leider eben nicht schwarz oder weiß (auch wenn man das über einen zugespitzten Kommentar als Autor oder Kommentator gerne so darstellen darf). Insofern ist auch dafür zu werben, dass der Weg das Ziel ist: Handlungsempfehlungen sind das eine, die Führung der Debatte hier und anderswo ist das langfristig wichtige andere.

  6. Florian Knaack Says:

    Ein wunderbarer Beitrag von Sebastian Bruns! Vielen Dank, dass Du auch zu den Kommentaren Stellung beziehst. Das findet bei vielen Autoren ja leider nur selten statt.

  7. Niklas Anzinger Says:

    @ Norman Reppingen

    Ihre Interpretation von der Lage Israels „grasst“, wenn ich das mal so sagen darf und ich wundere mich, dass Sebastian Bruns ihnen nicht widerspricht. Was auch immer im Nahen Osten passiert, zuerst wird geschaut, was Israel angeblich falsch macht. Wegen ein paar Siedlungen werden Länder aber nicht mit Vernichtung bedroht. Auch wird nur Israel ein „Bruch des Völkerrechts“ vorgeworfen und nicht die Hamas oder die Hezbollah zur Verantwortung gezogen (und wenn, dann nur als reaktive Akteuere auf das Verhalten Israels). Andere Länder tragen eine Schuld (siehe Iran, Irak), dass Israel oftmals zu militärischem, präventiv-aggressiven Verhalten zur Selbstverteidigung gezwungen ist – das sog. „Völkerrecht“ kann diese Gruppen, von denen wir reden, nicht entwaffnen, sondern das kann nur der Einsatz souveräner Waffengewalt – und genau das nehmen sie den Israelis übel; dass sie sich selbst verteidigen ohne vorher bei den Deutschen nachzufragen.

    Und dafür argumentiert in letzter Instanz auch Sebastian Bruns, auch wenn er zumindest die „existenzielle Bedrohung“ Israels erkennt – anscheinend jedoch nicht die Gründe dafür.

  8. Sebastian Bruns Says:

    @Niklas Anzinger: Zunächst mal Gratulation zur Wortschöpfung „grassen“ – darf ich die übernehmen? Finde ich herrlich! Ihre inhaltliche Kritik kann ich diesbezüglich nachvollziehen, ist diese Differenzierung mit Blick auf Israels Aktion und Reaktion in meinem Beitrag aufgrund der begrenzten Zahl zugestandener Wörter unterblieben. Ferner ging es mir natürlich vornehmlich um die maritime sicherheitspolitische Komponente – zum israelischen Siedlungsbau, zu Hamas und Hisbollah usw. usf. sind die Argumente ja meist eh schon ausgetauscht. Bitte verstehen Sie diese Undifferenziertheit nicht als Ausweis mangelnder Sachkenntnis.

    Ich finde es ferner wichtig zu unterstreichen (das kommt mir in Ihrem Kommentar nicht so raus), dass H&H eben nicht völkerrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können. Das verkompliziert das Ganze doch erheblich und Iran oder Irak dafür zu belangen hieße eine Aushebelung von internationalen Rechtsgebräuchen Tür und Tor zu öffnen.

  9. Niklas Anzinger Says:

    @Sebastian Bruns

    Ich habe mich etwas unklar ausgedrückt. Im Bezug auf den Iran und den Irak meine ich Deutschland als Zulieferer. Außerdem habe ich meine Zweifel, ob das Völkerrecht uns in der Hinsicht groß weiterhilft. Es gibt Interpretation, in Bezug auf H&H natürlich Israels Recht sich zu verteidigen, was klar abgedeckt ist, und dann wird wer anders daherkommen und Israel einen Bruch des Völkerrechts im Kampf gegen diese Gruppen vorwerfen – ist das ein Rechtsverhältnis? Die eine Partei kann für etwas belangt werden, die andere nicht? Natürlich nicht, denn das Völkerrecht ist virtuell, es hat keinen unabhängigen Richter, es ist mehr ein Ausdruck und sein willkürlicher Gebrauch zeigt das recht deutlich, der Machtkonstellation unter den Staaten.

    Der Skandal ist, dass solche Animositäten, die mehr mit den persönlichen Befinden der Deutschen zu tun hat, als mit der tatsächlichen Lage, in der sich die Menschen befinden, immer nur an Israel abgearbeitet werden. Sie können ja lesen, wie es aus Norman Reppingen herausbricht. Die „interessensgeleitete Politik“ Deutschlands, für die nicht nur sie streiten, sondern die der generelle Tenor hier in DA ist, ist doch schon Realität. Lassen sie mich auf diesen Artikel verweisen, der das gut zusammenfasst:

    http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/11827#.T-SExZLKznZ

    Zum Schluss:

    „Folglich ist angesichts der existenziellen Bedrohung, der sich die jüdische Nation durch die Vernichtungsrhetorik aus Teheran gegenübersieht, ein Abschreckungspotenzial von ganz erheblicher Bedeutung.“

    Wenn sie diesen Satz ernst meinen, dann müssen sie sich von Herrn Reppingens Kommentar abgrenzen. Der meint nämlich die Deutschen müssten darüber entscheiden, wann Israel sich zu verteidigen habe.

    Das wollte ich mit dem Satz – sie haben mir die Polemik ja nicht übelgenommen – provozieren:

    „Und dafür argumentiert in letzter Instanz auch Sebastian Bruns […]“

  10. Sebastian Bruns Says:

    @Niklas Anzinger: Polemik darf sein – ich bin großer Fan, aber manchmal sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht. Dennoch (oder gerade deswegen) habe ich die Kritik mittlerweile einordnen können, danke. (Ich merke immer wieder, wie gerade bei „heißen“ Themen die nonverbale Kommunikation im Internet zu Missverständnissen führen kann)

    „“Folglich ist angesichts der existenziellen Bedrohung, der sich die jüdische Nation durch die Vernichtungsrhetorik aus Teheran gegenübersieht, ein Abschreckungspotenzial von ganz erheblicher Bedeutung.” — Wenn sie diesen Satz ernst meinen, dann müssen sie sich von Herrn Reppingens Kommentar abgrenzen. Der meint nämlich die Deutschen müssten darüber entscheiden, wann Israel sich zu verteidigen habe.“

    — Wenn denn N.R. das so meint, dann ist das nicht in meinem Sinne. Ich meine vielmehr den nuklear-/kriegstheoretischen Aspekt aus der Warte Israels, die natürlich die (alleinige!) Entscheidungsgewalt haben. Ich will mit dem Satz vielmehr darauf hinweisen, dass in Deutschland das Prinzip der Abschreckung desavouriert (man denke an die Friedensbewegung in den 80er Jahren) bzw. überhaupt nicht verstanden ist (man denke an die blinde Gefolgschaft beim „Global Zero“). *Das* ist keine gute Basis für kluge Rüstungsaußenpolitik.

  11. Niklas Anzinger Says:

    Einverstanden. Danke für den guten Artikel und die Diskussion!

  12. Sebastian Bruns Says:

    Guten Tag, wird so nicht Wirkung mit Ursache verwechselt? Die implizierte Verfassungsferne mag man so konstatieren (aber wann war es denn anders, sprich wann hat es in der Bundesrepublik einen wirklichen Verfassungspatriotismus gegeben? Das Wort „Grundgesetz“ – statt Verfassung o.ä. – sagt ja schon einiges), aber das liegt doch auch zum großen Teil an der fehlenden sicherheitspolitischen Kultur. Wir hatten immerhin 20 Jahre Zeit, die Erarbeitung desselbigen zu verschlafen. Und damit meine ich noch nicht mal „Normaliesierung“ im Sinne von Waffenlieferungen an alle Welt. Lassen Sie uns einen Schritt weitergehen und das auch so zu Ende denken: Was, wenn Deutschland eine mutige und gut begründete Position gegen Waffenlieferungen *aller Art* hätte (mein Fall wäre es nicht, aber so funktioniert nun mal Demokratie)? Dann hätten Regierungen Verantwortungen übernommen. So aber gilt – ich wiederhole mich – das Drei-Affen-Prinzip und das Feld wird den Berufsmoralisten und -aufgeregten überlassen. Das ist das Kardinalsproblem!

    Im Übrigen gibt es auch gut begründete Gegenmeinungen zu Dr. Scheuer (dessen Alleinstellungsmerkmale „22 Jahre bei der CIA“ und „konservativer Amerikaner“ ihn höchstens zu einer Stimme in Analyseprozeß machen können, aber doch nicht zum Papst – er ist schließlich bekennender Nicht-Interventionalist, das ist in Amerika noch eine Minderheit).

    In diesem Sinne: Beteiligen Sie sich weiter! Aber akzeptieren Sie andere Meinungen 🙂

  13. Mareike E. Says:

    Lieber Herr Bruns,

    Applaus für Ihren Artikel – elegant und treffend argumentiert, ich bin ganz Ihrer Meinung (habe selbst mal einen ganz ähnlich betitelten Kommentar zu dem Thema geschrieben: http://mareikes-nahostblog.blogspot.de/2012/07/heuchlerische-atomboot-debatte-5612.html).

  14. Sebastian Bruns Says:

    Liebe Mareike E., vielen Dank für die Blumen – ich kann die netten Worte nur zurückgeben, denn auch der eigene Beitrag ist sehr pointiert. Bei der Einschätzung Jakob Augsteins kann ich nur zustimmen. Im Übrigen ist es immer schön, auf kenntnisreiche Kommentatoren zu solchen maritim-sicherheitspolitischen Themen im deutschen Sprachraum zu treffen! Weiter so!

  15. thomas wagner Says:

    Konsequent zu Ende denken…

    Der Beitrag hebt sich tatsächlich wohltuend vom restlichen Angebot der Seite ab. Danke dafür! Ein paar Gedanken…

    Die atomare Bewaffnung des Iran stellt für Israel keine unmittelbare Bedrohung dar, denn die thematisierte fehlende „strategische Tiefe“ hat an der Stelle eben auch Vorteile. Jeder nukleare Angriff auf Israel müsste in Kauf nehmen, auch seine arabischen Nachbarn zu treffen. Das wäre damit auszuschließen

    Ebenso dient die iranische Rhetorik gegen Israel seit Jahren vor allem dazu, die eigene, ähnlich dramatische politische Isolation mit gefälligen Gesten in den Nahen Osten abzumildern. Der Iran will nur dorthin, wo Pakistan und Nordkorea schon sind. Eine menschliche Urkatastrophe daraus zu machen, ist sicherlich übertrieben, auch wenn es angenehmere Visionen gibt.

    Fakt ist, dass sich mit dem Iran und Israel zwei Gesellschaften gegenüber stehen, die in einer seit Jahrzehnten gewachsenen Bedrohungslogik heraus nicht mehr in der Lage sind „vernünftig“ zu denken und zu handeln. An dieser Stelle hätte das Knüpfen von Bedingungen an den U-Bootdeal sicherlich Sinn gemacht. Ich würde allerdings 1. vermuten, dass dies auch versucht wurde und 2. dass Israel (siehe oben) sich darauf nicht einlassen würde.

    Letztlich bleibt der Deal damit eine elegante Lösung für die Frage der postulierten „Staatsraison“. und es ist weiß Gott keine schlechte. Denn erschreckender Weise wurde mit Ende des oben zitierten Ost- Westkonfliktes vor allem klar, dass keine der beiden Seiten je vor hatte, die andere tatsächlich vorsätzlich anzugreifen. Warum konnten dann riesige Cluster und Heere von Diplomaten, Militärs und politischen Strategen nicht verhindern, dass daraus regelmäßig bedrohliche Szenarien erwuchsen? Wo wir damals, wie heute (aktuell mit dem islamfeindlichen Film) vermuten müssen, dass jede Seite die andere für ihr eigentliches Ziel, die Machtsicherung nach Innen, brauchte…

    Auf der strategischen Metaebene sollte eigentlich zu erkennen sein, dass sich im Moment beginnt ein riesiges Konfliktfeld wirtschaftlicher, sozialer und auch kultureller Probleme zu entladen und es dabei bedauerlicher Weise nicht um das „ob“, sondern das „wie“ geht. ist der „Westen“ im allgemeinen das Ziel, Israel im besonderen, oder wendet sich die Gewalt gegen die religiösen Spielarten der arabischen Welt und schafft damit das Trauma und Narrativ, welches es braucht, um ähnlich, wie Europa und der Westen nach dem 2. Weltkrieg, ganz lapidar etwas „neues“ zu schaffen…

    Wenn man dass so sieht, dann ist der blasphemische Film ein zwar plumper, aber offensichtlich in seinem Sinne erfolgreicher Versuch, Einfluss auf die Entladungsrichtung der Konfliktfelder zu nehmen. Die Nadel zeigt jetzt auf den Westen. Demnächst zeigt sie auf Israel, bevor sie schließlich zwischen Schiiten und Sunniten hängenbleibt…

    Wir werden nicht verhindern können und sollten es auch nicht, dass jeder Teil der Welt seine ganz und gar eigenen Erfahrungen macht, um zu den freiheitlichen Werten der westlichen Kultur aufzuschließen.

  16. Sebastian Br Says:

    Lieber Herr Wagner, vielen Dank für die netten Worte und die einleuchtenden Einwürfe zur Ergänzung der Debatte. Es wäre uns allen zu wünschen, dass diese großen Einordnungen auch in der öffentlichen Debatte Niederschlag finden würden – statt der mikrojournalistischen Schnappatmung der Berufsaufreger. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt…

  17. thomas wagner Says:

    Meinen Respekt vor diesem Idealismus, aber in einer ausgeprägten „so-tun-als-ob“-Kultur, wie der unsrigen, ist für Substanzielles naturgemäß wenig Platz und schon gar kein Verständnis da. Wichtig ist nur das „Selbstverständnis“ und das ist ja meistens stimmig…

  18. Sebastian Br Says:

    Idealistisch starten, damit man als Realist ankommt. Wer als Realist startet, endet als Zyniker. Wobei, das wiederspricht wieder dem realistischen Selbstverständnis, was ich und andere propagieren. Schwierig!

  19. thomas wagner Says:

    das ist tatsächlich ein sehr wichtiger Aspekt und ich möchte dazu einen vlt. ganz brauchbaren Hinweis geben, der zur Frustvermeidung nur eine Spur Selbstbeobachtung verlangt: Alle Energie, die man (gerne) aufwendet, um produktiv zu diskutieren, Projekte zu verwirklichen, Denk- und Verhaltensmuster weiterzuentwickeln, sollte mit Freude und Leidenschaft geschenkt werden. Man sollte jedoch keine Energie dafür aufwenden, andere dafür zu gewinnen/ davon zu überzeugen, denn dann schafft man einer nie versiegende Quelle der Enttäuschung und das haben wir einfach nicht verdient :o)

  20. Kuno Kunold Says:

    @ Niklas Anzinger

    >>>>“Folglich ist angesichts der existenziellen Bedrohung, der sich die jüdische Nation durch die Vernichtungsrhetorik aus Teheran gegenübersieht, ein Abschreckungspotenzial von ganz erheblicher Bedeutung.”<<<<<

    dies blödsinnige Gefasel wird auch nicht durch ständiges widerholen richtig :-(((
    Im Gegensatz zu Israel hat Iran seit Jahrhunderten keinen Angriffskrieg geführt, hat Iran Industrieanlagen in Israel bombardiert, auch vergrößert Iran nicht täglich sein Territorium

    So wie Irak und Libyen als Staat ausgelöscht wurden so muß auch Iran dran glauben, nur dieses mal mit der Begründung Israel zu bedrohen

    Warum ?
    Alle Drei haben ihr Öl nicht mehr ausschließlich in USD Währung verkauft
    Das aber bringt den vergammelten Dollar als internationale Leitwährung in Gefahr, welches einen Kollaps der US Wirtschaft zu Folge hätte

    Das Zertrümmern dieser Staaten hat den anderen Vorteil, Exxon und MobilOil den Zugriff auf die bisher staatlichen Ölfelder hat






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