Offener Brief an Gabriele Krone-Schmalz zur Frage, wie man Russland verstehen kann

Matthias Freise │ 04. März 2015



Sehr geehrte Frau Krone-Schmalz,

Sie haben ein Buch publiziert mit dem schönen Titel Russland verstehen (Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens. C. H. Beck, München 2015).

Ich bin seit der Aufnahme meines Slavistik-Studiums 1978 bis zum heutigen Tag, als Professor für Slavische Philologie an der Universität Göttingen jemand, den man einen Russland-Versteher nennen könnte. Viele Monate meines Lebens habe ich in Moskau, Petersburg und der russischen Provinz verbracht, ich publiziere inzwischen fast nur noch auf Russisch, zu Kolleginnen und Kollegen von 20 verschiedenen Universitäten von Petersburg bis Cheljabinsk unterhalte ich nicht nur kollegiale, sondern auch freundschaftliche Beziehungen. Meine Liebe zu Russland wurde geboren aus der Liebe zur russischen Literatur, dieser in der Welt einmaligen Kombination tiefen Nachdenkens mit artistischer Virtuosität. Und gerade weil ich Russland liebe, lassen mich die Ereignisse seit der Annektion der Krim nicht mehr ruhig schlafen. Diese Ereignisse und die mediale Begleitmusik dazu aus den staatlichen Medien der Russischen Föderation fügen mir einen geradezu physischen Schmerz zu.

Sie als Russland-Kennerin unter den Medienwissenschaftlern haben doch sicherlich die offizielle russische Berichterstattung zur Ukraine verfolgt. Ich frage Sie – was gibt es da zu verstehen? Selbst wenn man sich in Bezug auf die Ursachen des Krieges streng um Neutralität bemüht, selbst wenn man realpolitisch von Interessen und Einflussphären und nicht von Demokratie und Menschenrechten spricht – selbst dann ist diese Berichterstattung absolut unerträglich, geradezu abstoßend. Ich war in der Brezhnev-Zeit ein Jahr lang als Doktorand in Moskau, ich weiß, was sowjetische Propaganda war, doch sie reichte nicht im entferntesten an dieses Gemisch von Lügen und Hetze heran, das, welcher Meinung sie auch immer zur Ukraine sind, meine Gesprächspartner in Russland auch durchweg ablehnen. Warum macht Sie als Medienwissenschaftlerin das nicht nachdenklich? Warum ruft das nicht Ihre Empörung als Journalistin hervor? Sprechen Sie darüber in ihren medienwissenschaftlichen Lehrveranstaltungen? Und vor allem: macht Sie das nicht nachdenklich in bezug auf das, was man als “Verstehen” Russlands bezeichnen könnte?

Ich kenne die Seelenlage der Menschen in Russland sehr gut, berufsbedingt natürlich vor allem der russischen Intelligenzia. Tatsächlich stimmen viele von ihnen nicht in die vehemente Kritik des Westens an Putins Politik ein. Doch nicht aus Solidarität mit der Regierung. Kennen Sie das nicht, dieses charakteristische russische Lebensgefühl, diese Mischung aus Resignation, Angst und Konzentration auf die Alltagsdinge? Dieses reflexhafte Wegschauen von der politischen Bühne? “Lies nicht soviel Zeitung”, raten mir meine russischen Freunde, wenn ich ihnen schreibe, wie sehr mich der Krieg Russlands gegen die Ukraine seelisch belastet. Nicht Putin, sondern diese Haltung zu verstehen heißt Russland verstehen! Und diese Haltung spielt einer politischen Führung in die Hände, die, da vom Volk gewählt, in einer repräsentativen Demokratie, im Namen dieses Volkes agiert. “In eurem Namen wird in der Ukraine getötet”, schreibe ich meinen russischen Freunden, doch wie Sie genauso wissen wie ich, sieht man als Russe sein Verhältnis zur Obrigkeit anders. Sie ist ihm auferlegt, wie ein unvermeidliches Übel.

Diese Haltung kannten wir als Haltung des Sowjetmenschen, und wir hatten die Illusion, sie würde sich nach dem Ende der Sowjetunion wandeln. Bürgerrechte, Bürgerbeteiligung, Übernahme persönlicher Verantwortung, soziale Eigeninitiative, all das konnte sich auch nach dem Ende der Sowjetunion kaum entwickeln. Umso erstaunlicher ist die jüngste Entwicklung der Ukraine, die Majdan-Bewegung. Blutete Ihnen nicht das journalistische Herz, wenn die Aktivisten für eine freiheitliche und demokratische Gesellschaft auf dem Majdan in Moskau als vom Westen gesteuerte faschistische Banden verunglimpft wurden?

Sie und ich, wir versuchen beide, Russland zu verstehen. Wenn wir dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, dann liegt das nicht am unterschiedlichem Informationsstand oder an einem unterschiedlichen politischen Hintergrund. Es liegt daran, wem wir jeweils unsere Empathie schenken, dem russischen Volk oder der politischen Führung im Kreml. Doch versuchen wir das aus meiner Sicht eigentlich Unstatthafte, versuchen wir uns sogar in die politische Führung Russlands einzufühlen. Hier wird am häufigsten das Argument der Einkreisungsängste angeführt. Und das Argument, der Westen habe “den kalten Krieg gewonnen”, weil Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion schwach gewesen sei, jetzt aber kehre es zu alter Stärke zurück und beansprucht seine alte Einflusssphäre zurück. Ja, auch Frankreich hatte seine Probleme mit dem Zerfall seines Kolonialreiches und führte in Algerien Krieg. Wie stehen Sie als Historikerin zum Algerienkrieg? War es ein gerechter oder zu rechtfertigender Krieg?

In einem Punkt gebe ich Putin recht. Ja, der Westen hat den kalten Krieg gewonnen. Dies geschah aus zwei Gründen. Zum einen hat das Modell einer multinationalen Union der sozialistischen Sowjetrepubliken nie wirklich funktioniert. Natürlich wurde Russland als Kolonialmacht, als Fremdherrschaft empfunden. Wenn eine solche Macht Schwäche zeigt, nutzen die kolonialisierten Völker die Gelegenheit und steigen aus. Das Problem ist nur – wie schütze ich mich dann vor dem Zugriff der möglicherweise wiedererstarkenden Kolonialmacht? Ich muss mir starke Verbündete suchen. Polen suchte und fand zwischen 1918 und 1939 England und Frankreich, die Tschechoslowakei, 1938 im Stich gelassen von Frankreich und England, fand die Vereinigten Staaten von Amerika. Die “Satelliten” und Unionsrepubliken der Sowjetunion fanden die NATO. Wer aber niemanden fand, der ist jetzt verraten und verkauft. Kann es ein stärkeres Argument für die NATO geben? Oder sehen Sie das transatlantische Bündnis als Zwangsgemeinschaft unter der Fuchtel der USA? Warum hat dann nie jemand versucht, aus ihr auszutreten, nicht einmal der selbstbewusste De Gaulle? Nicht einmal die Erdogan-Türkei? Das ist doch merkwürdig!

Der Westen hat den kalten Krieg aber noch aus einem anderen Grund gewonnen. Neben den beiden “hard powers” Ökonomie und Militär, über die ein Staat verfügen kann, gibt es noch eine “soft power”, die Attraktivität, deren Gewicht, so der Harvard-Politologe Joseph S. Nye, meist unterschätzt wird. Russland hat einfach kein attraktives Gesellschaftsmodell, deshalb kam im Regionalparlament der ethnisch ja tatsächlich ganz überwiegend russischen Krim  die Partei, die offen den Anschluss an Russland propagierte, vor dem Staatsstreich, bei dem sie die Macht übernahm, auf ganze 5% der Stimmen. Auch viele ethnische Russen in Estland und Lettland sind mit dem Gesellschaftsmodell der EU ganz zufrieden und haben keine Lust auf Repatriierung, selbst wenn es ihren ökonomisch zum Teil schlechter geht als in der Sowjetunion. Russen sind pragmatischer, als unser Klischee von der russischen Seele es wahrhaben möchte. Natürlich fühlen sich die Menschen im Donbass Russland kulturell näher als der Westukraine, aber wenn die Ukraine tatsächlich die Chance hat, sich zu einer funktionierenden Demokratie mit eingedämmter Korruption zu entwickeln – würden sie trotzdem gehen wollen? Oder reicht ihnen für ihre russische Seele nicht Russen-Pop und russischsprachiges Fernsehen – was sie auch ohne Anschluss haben können? Die Ukraine war kein Pulverfass. Wie in Russland waren die Menschen in der Ostukraine auf ihre Alltagsprobleme fixiert und wollten mit Politik nichts zu tun haben. Ihnen war egal, ob sie zur Ukraine oder zu Russland gehören. Und jetzt sind sie plötzlich bereit, mit Waffengewalt dafür zu kämpfen? Das kommt sicherlich nicht vom Russen-Pop. Da geht es nämlich immer nur um Liebe.

Frau Krone-Schmalz, mein Beruf dient wie der Ihre der Vermittlung, dem Verstehen, dem Dialog. Und als glühender Verehrer der russischen Kultur kann ich nur sagen: von dieser politischen Führung in Russland werden alle Ideale dieser Kultur in den Schmutz getreten – Tolstojs Pazifismus, Dostoevskijs Verantwortungsgefühl, Čechovs Aufrichtigkeit, Puškins Europäismus, Turgenevs Solidarität mit den kleinen Leuten, Gogol’s Moralismus… Angesichts des aktuellen Zynismus im Kreml war mir selbst die Sowjetideologie sympathischer. Großrussischen Nationalismus und gekränkte Großmachtattitüde kann ich hier niemandem vermitteln und will es auch nicht. Russland steht für mich für andere Werte. Diese Werte zu propagieren, das und nur das heißt für mich Russland verstehen. Sind Sie da wirklich anderer Meinung?

Mit freundlichen Grüßen,

Matthias Freise

Matthias Freise ist Professor für Slavische Literaturwissenschaft an der Universität Göttingen. Dieser Offene Brief erschien zuerst auf dem Blog Dialogical Humanities, Geisteswissenschaftliche Forschung in dialogischer Perspektive.

10 Kommentare

  1. Irene Sager Says:

    Sehr geehrter Herr Prof. Freise,
    es ist gut, dass Sie einen Unterschied zwischen der russischen Regierung und dem Volk machen. Ich stimme Ihrer Analyse der Situation und der russischen Seele durchaus zu. Die Crux ist nur, dass dieses Thema so komplex ist, dass man für alle Standpunkte Argumente findet. Je nach individueller Ansicht teilt man diese oder Teile davon oder nicht. DIE WAHRHEIT gibt es leider nicht – sie ist subjektiv. Das heißt nicht, dass ich mich auf der Seite von Frau Krone-Schmalz befinde.Ich stelle nur in meinem sozialen Umfeld fest, das zu einem großen Teil aus kritischen ehemaligen DDR-Bürgern mit Russland-Erfahrung besteht, dass der Westen die Situation zu einseitig beurteilt. Auch wirft man die Frage auf, inwiefern die USA an dem Konflikt beteiligt ist. Für mich eine völlig neue Variante, für die es auch keine eindeutigen Beweise gibt.
    Allerdings muss man sich doch die Frage stellen, ob es so klug war, dass sich westliche Politiker unter die Demonstranten auf dem Maidan mischten und ihre Solidarität bekundeten. Ich meine das in Hinsicht auf die russische Regierungsbefindlichkeit. Wäre nicht eine gewisse Zurückhaltung im Sinne der europäisch-russischen Partnerschaft sinnvoll gewesen? Hat der Westen also eine Mitschuld an der Eskalation?

    In einer demokratischen Gesellschaft lebend, wünschen wir uns natürlich, dass diese Möglichkeit auch für andere Völker besteht. Aber muss man deshalb ein EU-Assoziierungsabkommen in einer geostrategisch sensiblen Region in einer politisch aufgeheizten Stimmung durchziehen, ohne Russland einzubeziehen? Müssen wir unsere Werte ohne Rücksicht auf die Weltgemeinschaft exportieren, auch wenn wir darum gebeten werden? Wäre es sinnvoller solchen Prozessen mehr Zeit zu geben, um den Dialog und eine Konsensfindung mit anderen nicht zu gefährden?
    Ich finde, kritische Fragen müssen erlaubt sein. Frau Krone-Schmalz, ohne sie in Schutz nehmen zu wollen, hat ihre Sicht der Dinge. Etwas mehr Toleranz gegenüber anderen Argumenten, ein weniger aggressiver Ton und eine gehörige Portion Einsicht, dass die sogenannte Wahrheit nicht von ihr allein verkündet wird, würden ihr allerdings gut zu Gesicht stehen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Irene Sager

  2. Thomas Berghoff Says:

    Frau Sager,
    warum soll Rußland um Erlaubnis gebeten werden? Sie fragen doch (sicherlich) auch nicht Vladimir, ob es ihm recht ist, dass Sie mit Ihrer Freundin einen Cafe trinken gehen, in Urlaub fahren, eine Pizzeria aufmachen wollen….

    Die Ukraine ist ein souveräner Staat. Moskau hat nichts zu melden!

  3. Thomas Says:

    Russland liefert Waffen an Assad und andere Mörder, ohne Rücksicht auf Opfer – ohne auf irgendjemanden Rücksicht zu nehmen. Wieso wollen Sie, Frau Sager, dass der Westen nun gegenüber Russland so rücksichtsvoll auftritt?

    Putin nimmt nicht mal Rücksicht auf sein eigenes Volk! Er beutet es völlig aus.

  4. Karl-Hermann Leukert Says:

    Frau Sager schreibt: „Müssen wir unsere Werte ohne Rücksicht auf die Weltgemeinschaft exportieren, auch wenn wir darum gebeten werden?“ Wer ist wir und um welche Werte soll es hier gehen? Dieses ewige Narrativ, der Westen wolle irgendwas exportieren, womöglich auch noch gegen den Willen der Russen, ist nun langsam mal zu Ende erzählt und taugt nicht mal ansatzweise zur Lösumg dieses Konflikts. Es ist nun mal ein naturwüchsiges Prinzip, dass Menschen und Völker zur Freiheit streben. Wenn nun der „Westen“ mit dem EU-Assoziierungsabkommen nichts anderes macht, als für die Ausweitung der Zivilgesellschaft, für offene und transparente Märkte und für die Verbreitung rechtsstaatlicher Normen zu sorgen, so folgt dies nur dem inneren Willen der Menschen selbst. Es ist umgekehrt Russland, dass Gewalt und Macht als Herrschaftsprizip in andere Länder exportiert. Warum? Weil Putin offensichtliche keine anderen Werte kennt. Nur Feinde der Freiheit wie Gabriele Krone-Schmalz sehen das anders.

  5. Richard Lehmann Says:

    Mir hat sich noch nicht erschlossen: Die Ukraine hat als souveräner Staat Verhandlungen mit der EU zur Assoziierung geführt. Wäre es nicht an i h r gewesen, ihren Nachbarn Russland zu den Gesprächen dazuzubitten? Denn, dass die EU an der Ukraine vorbei sich mit Russland ins Benehmen setzt, wäre nicht nach der Kleiderordnung gewesen. Und noch ein anderer Gedanke: Wenn jahrelang verhandelt wurde kann ich nicht glauben, dass der russische Auslandsgeheimdienst nichts von alledem wußte. Hätte es russischerseits nicht geeignete Kanäle gegeben, die EU auf befürchtete Schwierigkeiten hinzuweisen?

  6. Lika Says:

    Frau Sager!
    Sie stellen sich die Frage, ob es von den westlichen Politikern so gut war auf dem Maidan aufzutreten?
    Offen auf dem Maidan aufzutreten und so das ukrainische Volk zu unterstützen ist auf jeden Fall besser als geheime Treffen mit Janukovitsch zu veranstalten.
    Haben Sie schon recherchiert, was zur gleichen Zeit Vladislav Surkov und eine Gefolgschaft aus Geheimdienstlern in Kiev bzw. in der Präsidialverwaltung gemacht haben?

    Für die EU-Politiker war es eine Pflicht ihre Unterstützung den Ukrainern offen zu bekunden.

  7. Nelly Meier Says:

    Sehr geehrter Herr Freise!
    Bleiben wir doch mal auf dem Boden der Tatsachen. Putin ist kein Dichter oder Philosoph und ware er das würde er nicht Politiker sein. Und doch liebt er seine Heimat wie ein echter Russe aus dem Buche. Warum werden Menschen, die sich auf die Seite Putins stellen sofort discdiskreditiert. Zusammen mit ganz Russland und seinem Volke. Sie sind ein Russlandversteher der russischen Dichter und Philosophen weil sie selber einer sind. Politik ist etwas anderes als das. SOZIALROMANTISMUS hat in der Politik nichts zu suchen. Die Schriftsteller sind tot. Aber der russische Mensch muss weiterleben.

  8. Andreas Griewank Says:

    Ich bin Naturwissenschaftler und habe nur gelegentlich den Einflussbereich der ehemaligen SU besucht. Mein Russisch ist rudimentaer, ich kann mit Herrn Freise’s Sachkenntnissen also nicht mithalten.

    Trotzdem, was bei den Preisungen der westlichen Einfluss- und Uebernahmeaktionen von ihm und anderen Kommentatoren voellig ignoriert wird ist der totale wirtschaftliche und soziale Flurschaden der angerichtet wurde, nicht nur im Russland Gorbachev’s und Jelzin’s sondern auch in den ehemaligen Republiken und Satelliten. Praktisch ueberall sind die Preise jetzt mindestens auf Westniveau (ich bin Schwimmer, in Almaty kostet der einmalige Eintritt ins jetzt privatisierten ehemaligen ‚Zentralnij Basin‘ mittlerweile 28 Euro, wohl unter anderem damit die Abonnenten aus der neuen High Society sich nicht durch Leute von der Strasse belaestigt fuehlen). Je nach Republik/Satellit X koennen sich aber nur maximal 10 Prozent der Novije Xij diese Preise leisten, die Bevoelkerungsmehrheit muss sich auf die eine oder andere Weise prostituieren oder vegetiert auf Minimalniveau. Die Ersparnisse und Rentenansprueche aus sozialistischen Zeiten sind voellig entwertet, die frueheren oeffentlichen Krankenversorgungs- und Verkehrssysteme zusammengebrochen. Das gilt grosso modo auch fuer die neuen EU Mitglieder Rumaenien und Bulgarien, wo die qualifizierten jungen Leute mehrheitlich in den goldenen Westen auswandern moechten. Die Lebenserwartung im ehemaligen sowietischen Einflussbereich ist um mehr als 10 Jahre gesunken, dass koennte man auch Voelkermord nennen, wo ist der ICC?

    Was das Voelkerrecht betrifft hat Lavrov voellig recht: der Westen hat die Chance einer neuen internationalen Ordnung nach 1990 durch seine Arroganz und Ignoranz im besten Falle verspielt im schlechtesten Falle sabotiert. Putin’s gruene Maennchen sind ein Klax gegen die seit 1990 von der US-NATO entfesselten Militaermaschinen, die zirka eine halbe Million Opfer gekostet haben. Uebrigens, in den US und England kritisieren ehemalige Diplomaten und Generaele die aktuelle Politik ihrer Regierungen. Zumindestens Falin und Gorbachev unterstuetzen die Putin Regierung prinzipiell, aber das liegt nach westlicher Interpretation sicher daran, dass Putin sie sonst erschiessen laesst. Klitschko und Timoschenko ins Kanzleramt einzuladen war eine klare Message an die Ukrainer: Wenn ihr die an die Macht bringt wird es euch so gut gehen wie uns im Westen (z.B. Griechenland????). Da beide damals keinerlei offizielle Rolle in der Ukraine spielten war das eine unertraegliche, provokative Einmischung. Wie waers mit den Separatisten beim offiziellen Kreml Empfang durch Putin oder ein Lavrov Auftritt bei den Berliner Chaostagen. Unsere Presse ‚would go ballistic‘.

    Ich werde bald zwei Wochen im Rahmen einer wissenschaftlichen Kooperation Ekaterinburg besuchen. Eventuell werde ich meine partiell RT basierte Ferndiagnose revidieren muessen. Im Moment bin ich einige Wochen in den USA. Die publizistische und soziale Realitaet legt ein unkritisches Nachahmen wirklich nicht nahe, was immer die Balten und Polen empfinden. Also bis auf weiteres, ich bin ein Russen- und selbst Putinversteher.
    Andreas Griewank
    P.S. Wenn das Krim Referendum nicht zaehlt, sollen wir die US organisierten Wahlen in Afghanistan, Irak und frueher Vietnam ernst nehmen? Im Kosovo gab es ja im Gegensatz zu Obama’s Behauptung ueberhaupt kein US Referendum. und trotzdem hat der Westen Grenzen verschoben.

  9. Martin Schultz Says:

    @ Nelly Meier

    Sie arbeiten für die Putins Propaganda Apparat?

    „Warum werden Menschen, die sich auf die Seite Putins stellen sofort discdiskreditiert. Zusammen mit ganz Russland und seinem Volke.“

    Der einzige der das russische Volk discdiskreditiert ist Putin. Er hat die Pressefreiheit eingeschränkt, verletzt die Menschenrechte, sperrt Kritiker ein oder lässt sie umbringen.

    Putin und seine Oligarchen beuten das russische Volk aus.

    Putin und seine Freunde werden immer reicher und das russische Volk wird immer ärmer. Putin hat 50 Billion Euro für die Olympiade in Sochi verschwendet, viel davon versichkerte durch Korruption.

    Putin hat sich einen Riesenpalast gebaut.

    Wenn Sie dem russischen Volk helfen wollen, dann sollten Sie Putin kritisieren und sich für die Einführung von Demokratie, die Bekämpfung von Korruption und Polizeiwillkür und für Armutsbekämpfung statt dem Bau von Palästen einsetzen.

  10. Martin Schultz Says:

    @ Andreas Griewank

    „ich bin Schwimmer, in Almaty kostet der einmalige Eintritt ins jetzt privatisierten ehemaligen ‚Zentralnij Basin‘ mittlerweile 28 Euro, wohl unter anderem damit die Abonnenten aus der neuen High Society sich nicht durch Leute von der Strasse belaestigt fuehlen“

    Ja, in Russland und Kasachstan beutet die Elite die Wirtschaft aus und die normalen Bürger leiden darunter. Keine Demokratie, kein Wohlstand für die Bürger trotz Rohstoffreichtum, keine Menschenrechte, keine freie Presse wie in USA, EU etc.

    Aber wieso schreiben Sie von „westlichen Einfluss- und Uebernahmeaktionen“?
    Wieso soll der Westen Schuld haben, wenn ein Schwimmbadbesuch in Almaty mehr kostet als in Berlin?

    Die logische Schlussfolgerung aus Ihrem Kommentar wäre für Sie als Naturwissenschaftler doch, dass Almaty mehr westlichen Einfluß benötigt, im Sinne von Demokratie, soziale Marktwirtschaft, Korruptionsbekämpfung etc damit der Schwimmbadbesuch mindestens so erschwinglich wird wie in Berlin.

    Es ist naiv und arrogant, den Zusammenbruch der sowjetischen Misswirtschaft Anfang der 90er dem Westen in die Schuld zu schieben.

    „Die Lebenserwartung im ehemaligen sowietischen Einflussbereich ist um mehr als 10 Jahre gesunken, dass koennte man auch Voelkermord nennen, wo ist der ICC?“

    Sie möchten das Putin, der kasachische Diktator und die anderen aktuellen Machthaber, die größtenteils noch aus Sowjetzeiten stammen, vor den ICC angeklagt werden? Gut, warum sagen Sie das nicht explizit.

    „Uebrigens, in den US und England kritisieren ehemalige Diplomaten und Generaele die aktuelle Politik ihrer Regierungen.“

    Weil das Demokratien sind!
    Im Gegensatz zu Russland, das Sie aus irgendeinem Grund verteidigen. In Russland wird jeder Kritiker früher oder später erschossen, vergiftet oder weggesperrt. Daher die hohen Zustimmungswerte für Putin.

    „Da beide damals keinerlei offizielle Rolle in der Ukraine spielten war das eine unertraegliche, provokative Einmischung. Wie waers mit den Separatisten beim offiziellen Kreml Empfang durch Putin oder ein Lavrov Auftritt bei den Berliner Chaostagen. Unsere Presse ‚would go ballistic‘.“

    Schräger, für einen Naturwissenschaftler unwürdigen Vergleich.

    „meine partiell RT basierte Ferndiagnose revidieren muessen.“

    Gut, dass Sie RT gegenüber kritisch eingestellt sind.

    „in den USA. Die publizistische und soziale Realitaet legt ein unkritisches Nachahmen wirklich nicht nahe, was immer die Balten und Polen empfinden.“

    Was hat die „publizistische und soziale Realitiät“ in USA mit den Balten und Polen zu tun?

    Was soll dieses Herablassende „was immer die Balten und Polen empfinden“???

    Deutschland hat eine moralische, historische und bündnispolitische Verantwortung gegenüber den Balten und Polen.

    Völlig unabhängig von den USA und der dortigen „publizistische und soziale Realitiät“.

    Wieso schreiben sie über die USA im Kontext der Russlandkrise statt über deutsche Verantwortung gegenüber Balten und Polen im Kontext der Russlandkrise?

    „Also bis auf weiteres, ich bin ein Russen- und selbst Putinversteher.“

    Mein Beileid.

    Es ist logisch nicht möglich, sowohl Putin als auch die Mehrheit der Russen zu unterstützen, weil Putin die meisten Bürger ausbeutet, unterdrückt, das Land schlecht regiert, russ. junge Männer in dämliche Kriege in Tschetschenien, Georgien, Ukraine schickt, wo viele auch sterben etc.

    Unterstützen Sie lieber die russischen Soldatenmütter statt Putin.






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