Israels Angriffsdrohungen sind ein Weckruf für den Westen

Mareike Enghusen │ 16. Oktober 2012



Der einzige Weg, den Konflikt um Irans Atomprogramm friedlich zu lösen, führt über Verhandlungen. Doch erst Israels Drohung, Iran notfalls militärisch zu stoppen, drängte die Kontrahenten zurück an den Verhandlungstisch. Eine Antwort auf Volker Perthes

Seit 2002 mehren sich Hinweise, dass Iran an einem geheimen Atomwaffenprogramm arbeitet und so sein Abkommen mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) verletzt. Weder UN-Resolutionen noch Verhandlungen konnten Iran bisher dazu bewegen, mit der IAEA zu kooperieren. Nun, da das Land laut manchen Analysten in wenigen Monaten genügend Uran für den Bombenbau entwickelt haben könnte, droht Israel mit einem Militärschlag gegen Irans Atomanlagen. Volker Perthes warnt zu Recht vor einer militärischen Eskalation. Doch würde Israel seine Drohungen einstellen, wie er fordert, wäre diese Gefahr keinesfalls gebannt. Denn die besteht so lange, wie Iran sein verdächtiges Atomprogramm vorantreibt.

In der Tat steht viel auf dem Spiel: Ein israelischer Militärschlag könnte tausende Iraner töten, heißt es in einer aktuellen Studie. Mit Sicherheit würde Iran die Gewalt erwidern, möglicherweise mithilfe seines Verbündeten, der libanesischen Hisbollah, deren Raketen Tel Aviv treffen können. Mit 300 Todesopfern rechnet in diesem Fall das israelische Verteidigungsministerium. Noch fatalere Folgen hätte womöglich die iranische Bombe. Denn mit ihr zöge die Gefahr eines Atomkriegs in den Nahen Osten ein. Saudi-Arabien hat bereits gedroht, sich selbst nuklear zu bewaffnen, sollte es Iran gelingen, die Bombe zu bauen. So sehr graut es den Golf-Arabern vor der Aussicht, dass ihr größter regionaler Widersacher zur Atommacht aufsteigen könnte, dass der saudische König die USA schon drängte, „der iranischen Schlange den Kopf abzuschlagen“. Mehrere einander feindlich gesinnte Atomstaaten, die – anders als die USA und die Sowjetunion im Kalten Krieg – keine effektiven Kanäle zur Krisenbewältigung unterhalten, wäre das letzte, was das Pulverfass Nahost gebrauchen kann. Ohne Zweifel also wäre eine Verhandlungslösung das bestmögliche Szenario. Für eine solche sind Israels Drohungen jedoch kein Hindernis; im Gegenteil dienen sie womöglich gar als Katalysator.

Dass Israel mit Angriff droht, bedeutet nicht, dass es einen Angriff will – geschweige denn, dass es dazu in der Lage ist. Was den Willen betrifft, so ist Israel zutiefst gespalten: Hochrangige Vertreter aus Militär und Geheimdienst, darunter Ex-Mossadchef Meir Dagan und der ehemalige Oberkommandierende der Streitkräfte, Gabi Aschkenasi, lehnen einen Angriff ab. Selbst Verteidigungsminister Ehud Barak, bis vor kurzem gemeinsam mit Premierminister Benjamin Netanjahu der lauteste Fürsprecher einer Attacke, soll laut israelischen Medienberichten kürzlich ins Camp der Zweifler gewechselt sein. Aus gutem Grund: Denn es ist zweifelhaft, dass Israel das iranische Atomprogramm effektiv schädigen könnte. Schon im Februar 2011 hatte Aschkenasi – damals noch im Amt – Netanjahus Drohungen gegenüber Iran als „leere Worte“ bezeichnet, weil es Israel an den nötigen militärischen Mitteln mangele. Und schließlich spricht allein die Tatsache, dass Israel den Schlag noch nicht gewagt hat, für sich. Denn wäre es entschlossen und in der Lage dazu, müsste es nicht öffentlich drohen. Es würde Irans Atomanlagen in einer geheimen Nacht-und-Nebel-Aktion außer Gefecht setzen – genau so, wie es 1981 mit dem irakischen Reaktor verfuhr und 2007 mit dem syrischen Atomprogramm.

Hinzu kommt, dass die israelische Bevölkerung einen Militärschlag laut Umfragen mehrheitlich ablehnt. Für die Regierung Netanjahu wäre ein Angriff also nicht nur militärisch, sondern auch innenpolitisch riskant. Eine Verhandlungslösung des Konflikts liegt deshalb in ihrem Interesse.

Manches spricht dafür, dass Israels Kriegsrhetorik genau darauf abzielt. So argumentiert auch Perthes: „Die Drohungen aus Israel sind keine Ankündigungen, sondern Teil des Versuchs, die USA und Europa zu weiteren, noch schärferen Maßnahmen gegen Iran zu bewegen.“ Diese Deutung ist plausibel – und impliziert zugleich, dass die israelischen Drohungen so gefährlich nicht sind. Denn statt Krieg vorzubereiten, sollen sie doppelten Druck aufbauen: gegenüber Iran und gegenüber dem Westen.

Seit 2009 verhandelt der Westen mit Iran über dessen Atomprogramm, bisher ohne Erfolg. Naturgemäß schreiben sich die Gesprächspartner gegenseitig die Schuld dafür zu. Aus westlicher Perspektive sind die Iraner nicht zu ernsthaften Zugeständnissen bereit. In der Kalkulation der iranischen Verhandlungsführer war der äußere Druck, bestehend aus Wirtschaftssanktionen und internationaler Isolation, bisher offenbar kein Grund, einzulenken. Um diese Kalkulation zu verändern, haben die USA und Europa den Druck seit Anfang des Jahres erhöht. Die EU beschloss unter anderem einen Boykott von iranischem Öl, die USA verhängten weitreichende Wirtschafts- und Finanzsanktionen. Zugleich wurden im April nach 14-monatiger Funkstille die Verhandlungen mit Iran wieder aufgenommen. Sowohl der Neustart der Gespräche als auch die Verschärfung der Sanktionen folgten einer Eskalation der israelischen Angriffsdrohungen. Das ist wohl kein Zufall: Der Westen will eine militärische Konfrontation verhindern und bemüht sich deshalb verstärkt um eine nicht-militärische Lösung. War es von Anfang an die Absicht der israelischen Regierung, mit ihren Drohungen den Westen zu schärferen Maßnahmen gegenüber Iran zu bewegen, dann ist ihr Kalkül aufgegangen. Man mag diese Taktik zynisch finden. Allerdings: Sind Verhandlungen und Sanktionen einem Krieg nicht vorzuziehen? Und: Sollte Iran dadurch zum Einlenken bewegt und so eine Verhandlungslösung erreicht werden, wäre dies nicht die beste aller Möglichkeiten? Würde dies gelingen, dann hätten die israelischen Kriegsdrohungen, so paradox es klingen mag, vielleicht sogar dazu beigetragen, eine militärische Konfrontation zu verhindern.

Perthes schreibt: „Selbst bei den Atomverhandlungen (…) schien es zuletzt nicht so sehr um Lösungen für den eigentlichen Atomstreit, sondern um Kriegsausbruchverzögerung zu gehen.“ Das eine bedingt jedoch das andere: Die Lösung des Atomstreits wäre das beste, vermutlich in der Tat das einzige Mittel, einen Krieg abzuwenden. Denn nicht nur Israel, auch US-Präsident Barack Obama hat angekündigt, die iranische Atombombe um jeden Preis zu verhindern – wenn nötig mit Militärgewalt. Uneinigkeit zwischen Israel und USA besteht allein über den adäquaten Zeitpunkt eines Angriffs. Kann die Kombination aus Sanktionen und Verhandlungen den Fortschritt des iranischen Atomprogramms nicht aufhalten, wird es also zum Militärschlag kommen – unter wessen Flagge auch immer.

Die Sanktionen von UN, USA und EU lasten schwer auf der iranischen Wirtschaft. Arbeitslosigkeit und Inflation steigen dramatisch. Der schwindelerregende Fall des Rial löste Anfang Oktober wütende Proteste in Teheran aus. Wie so oft ist es die Bevölkerung, die für den Streit der Mächtigen den höchsten Preis bezahlt. Eine Lösung des Atomkonflikts ist daher nicht nur eine strategische, sondern auch eine humanitäre Notwendigkeit.

Offen bleibt die Frage, was Europa und die USA zusätzlich zur Kombination aus Verhandlungen und Sanktionen tun können und sollten. Es ist möglich, dass der Westen in den Verhandlungen mit Iran zuviel Gewicht auf Druck gelegt und zu wenig Anreize geboten hat, um Teheran zum Einlenken zu bewegen. Dies kann an dieser Stelle nicht geprüft werden; ausgeschlossen werden kann es nicht. Aber immerhin: Obwohl auch die letzte Verhandlungsrunde im Juli scheiterte, bemüht sich der Westen um neue Gespräche. Mitte September traf sich EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton mit dem iranischen Chefunterhändler Said Dschalili in Istanbul, um über eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zu beraten.

Vor dem Neustart der Verhandlungen im Frühling 2012 hatten die Gespräche über ein Jahr auf Eis gelegen. Nun scheint es ein neues Bewusstsein für die Dringlichkeit der Situation zu geben. Es gereicht keinem der Beteiligten zur Ehre, dass israelische Angriffsdrohungen nötig waren, um dieses Bewusstsein zu wecken.

Mareike Enghusen hat in Göttingen, Kalifornien, Paris und Großbritannien Politik-, Nahost- und Iranwissenschaften studiert und bloggt auf Mareikes Nahost-Blog.

Quelle Autorenbild: Mareike Enghusen / Quelle Artikelbild: Bild: Gerd Altmann  / pixelio.de

19 Kommentare

  1. Volker Perthes Says:

    An Frau Enghusens Artikel ist vieles richtig. Sicher ist, dass die Sanktionen auch innerhalb Irans zu Denkprozessen beitragen – man will aus der Isolation heraus, und das stärkt in Teheran die Argumente derjenigen, die für lösungsorientierte Verhandlungen mit den „5 plus 1“ eintreten. Israelische Drohungen dagegen scheinen in Iran wenig ernst genommen zu werden. Ich erlebe bei Gesprächen mit iranischen Gesprächspartnern immer wieder, dass man dort allein auf die USA schaut. Amerikanische Drohungen machen Eindruck, israelische nicht – man glaubt in Iran einfach nicht, dass Israel ohne amerikanische Unterstützung militärisch gegen Iran vorgehen könnte und würde. Insofern sieht man auch keine große Gefahr darin, selbst durch provokatives Verhalten die Risiken für das eigenen Land zu verschärfen. Und das ist mein Punkt: In der Tat will niemand einen Krieg – Israel nicht, Iran nicht, Europa und die USA schon gar nicht. Aber viel Kriegsgerede, wenig Erfahrung, das Fehlen jeglicher Sicherheitsarrangements und vertrauensbildenden Maßnahmen bilden zusammen eine brenzlige Mischung, die auch durch kleine Funken entzündet werden könnte – durch einen unitendierten Zwischenfall im Persischen Golf, an der israelisch-libanesischen oder auch an der syrisch-türkischen Grenze , oder durch ein anderes Ereignis, das wir eben nicht antizipieren oder gar planen können. Das einzige was hier – weiter – hilft, ist eben robuste, lösungsorientierte Diplomatie. Und nicht eine, die nur auf Kriegsausbruchsverzögerung setzt.

  2. Niklas Anzinger Says:

    Ein guter und scharfsinnige Artikel. Gleichzeitig – bitte das nicht als Vorwurf verstehen – will ich dafür werben das Streben des iranisches Regimes nach Atomwaffen nicht von der Menschenrechtslage, insbesondere der Situation der Frauen, zu trennen:

    „Im Glauben daran, dass zu gut ausgebildete Frauen an der Wurzel des Problems der Regierung stehen, hat diese im Verlauf der vergangenen letzten Jahre still und leise Schritte unternommen, um den Zugang zur höheren Bildung für Frauen einzuschränken.“

    http://www.audiatur-online.ch/2012/10/08/irans-bedraengte-frauen/

  3. Michael G. Says:

    Man weis gar nicht, wo man anfangen soll…
    Wenn ich aktuell solch einen Artikel auf Spiegel Online lesen müsste, würde ich wahrscheinlich nur noch müde lächeln, aber das so etwas auf dieser Seite abgebildet wird, löst bei mir nur Kopfschütteln aus.
    Sie haben Nahost und Iranwissenschaften studiert, und doch ist der Artikel durchtrieben von einseitigen Blickwinkeln.

    „Seit 2002 mehren sich Hinweise, dass Iran an einem geheimen Atomwaffenprogramm arbeitet und so sein Abkommen mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) verletzt.“
    Allein die Tatsache, dass in den letzten Jahren (nach 2002) _westliche_ Geheimdienste _mehrfach_ zu Protokoll gegeben haben, dass der Iran allen Anschein nach _nicht_ an einem Atomprogramm arbeitet spricht für sich.
    Darüber hinaus möchte ich darauf hinweisen, dass der Iran bis vor kurzem mit der IAEA über die Vorschriften hinaus einer Kooperation zugesagt hatte, diese aber aktuell wieder auf das in den Kontrakten vorgeschriebene Niveau zurückgefahren hat… wo hier welche Abkommen verletzt wurden… man weis es nicht… aber es wird gebetsmühlenartig Tag für Tag auf diversen Plattformen wiederholt.
    Des Weiten hat _keine einzige_ Kontrolle der IAEA der letzten Jahre auch nur einen Zweifel daran aufkommen lassen, dass der Iran aktiv an einem Atomwaffenprogramm arbeitet.
    Allein _von selbst_ hat der Iran demletzt zugegeben, der IAEA gewisse Fakten über den Betrieb der Atomanlagen nicht mitgeteilt zu haben, welche die Vertragskonditionen aber nicht im wesentlichen verletzten (in der Art und Weise „Wir bauen jetzt doch ne Bombe“)
    Der Iran hat den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet. Darauf bestehend übt der Iran aktuell sein zugestandenes Recht aus, seine Ressourcen zu nutzen und eine unabhängige Atomindustrie aufzubauen. Im Prinzip gibt es hier schon gar keinen Ansatz für Verhandlungen, da der Vertrag von der Gewinnung über die Anreicherung bis hin zum Reaktorbau alles in den Bereich des Möglichen stellt.
    Ich frage mich somit, worauf ihre Polemik ala „Denn die (Gefahr) besteht so lange, wie Iran sein verdächtiges Atomprogramm vorantreibt.“ abzielt… wäre nicht etwas mehr Objektivität angebracht angesichts der Situation, dass Israel das einzige Land im Nahen Osten ist, welches _aktuell_ über Atomwaffenkapazitäten verfügt, diese nicht zugibt und den Atomwaffensperrvertrag _nicht_ unterzeichnet hat und somit _keiner_ Kontrolle unterliegt…? Ich frage mich an dieser Stelle, wo hier im Nahen Osten ein Kräfteungleichgewicht aufgebaut wurde…. aber all dies wollen gewisse Leute einfach nicht zur Kenntnis nehmen, blenden es einfach aus und stempeln es als Schwachsinn ab.

    Darüber hinaus zieht sich durch Ihren ganzen Artikel die Erkenntnis, dass sie die Drohungen seitens Israels für einen Präventivkrieg als gottgegeben und nötig erachten, um womöglich letztendlich Frieden zu stiften.
    Ich kann bei der Hintergrundgeschichte des Iran diese Rhetorik einfach nicht nachvollziehen. Der Iran ist seit über 60 Jahren der Spielball Westlicher Interessen gewesen… Erst haben die Briten dort ihrer Kolonialpolitik freien lauf gelassen, danach kamen die Amerikaner und haben einen Umsturz nach dem anderen angekurbelt…
    Dieses Volk hat bis zur Revolution 1979 mehr mitgemacht, als die meisten anderen Völker auf der Erde… Wie weit kann man die Menschen in einem Land treiben, dass sie sich 1979 gemeinsam vor die Panzer gestellt haben und Demonstriert haben… weil sie nichts mehr zu essen, nichts mehr zu trinken hatten und einfach nicht mehr konnten… Bis der Schah (vom Westen eingesetzt und gehalten) endlich das Land verlassen hatte… ZEHNTAUSENDE sind gestorben, auch im Krieg danach (Iran vs. Irak – ebenfalls vom Westen mit Waffen für Saddam UND Iran befeuert – welch ein tolles Spiel…)
    Und Sie stellen sich jetzt hier als Iranwissenschaftlerin hin und schreiben solch einen Artikel… kann ich nicht nachvollziehen.
    Der Iran hätte in anbetracht so vieler Fakten weiß Gott viele Gründe als Aggressor aufzutreten… tut es aber nicht… allein andere Länder beschwören die Kriegsrhetorik um ihre fragwürdigen Ziele zu verfolgen.

    Vielleicht sollte man mal den Blick auf die wirklichen geopolitischen Ziele gewisser Fraktionen schweifen lassen und einfach mal Klartext reden…
    Es geht hier nicht darum, dem Iran am Bau einer imaginären Atombombe zu hindern, sonst hätte man das damals bei Pakistan respektive Indien auch erfolgreich getan(Kaschmirregion!), sonst hätte man mit China etwas härter über Nordkorea verhandelt, sonst würde man etwas genauer nach Südafrika und evtl. sogar nach Brasilien schauen.
    Nein, der Iran sitzt einfach auf einem der größten Öl- und Gasfässer der Welt, und daran möchte man gerne Anteil haben, und zwar zu vorgeschriebenen Konditionen, nicht zu Irans Konditionen… Da der Iran seit 1979 dieses Spiel konterkariert, muss er einfach wieder auf Linie gebracht werden.

    Dass sich dieses Land jetzt auch noch erdreistet, sein Öl nicht mehr in Dollar zu verkaufen, sondern direkt Bilaterale Abkommen mit Ländern rund um den Globus in deren Währungen abschließt… das schlägt für manche einfach dem Faß den Boden aus und so geht’s (nach vorherrschender Denkweise in manchen Kreisen) einfach nicht weiter… denn wenn das Schule macht, dann dürfte der Dollar mittelfristig starke Probleme bekommen… (Jeder der sich mit der Thematik befasst hat, wie der Dollar überhaupt noch gehalten werden kann, muss mir hier zustimmen).
    Von der geostrategischen Lage dieses Stückchen Landes (unter anderem Straße von Hormus – muss kontrolliert werden) und des zunehmenden regionalen Einfluss, den es auf seine Nachbarstaaten ausübt, ohne dass dieser Einfluss einer Kontrolle Dritter unterliegt, ganz zu schweigen…

    Aus diesen und noch einigen anderen Gründen werden seit Jahr und Tag die Kriegstrommeln angestimmt… aber nicht wegen einer imaginären Bombe.
    Wer sich auch nur _etwas_ mit der Kultur dieses 3000(!) Jahre alten Landes und dessen Außenpolitik befasst, der wird dies einsehen.
    Ich schreibe diese Zeilen hier ohne Partei zu ergreifen für eine der beiden Seiten, die sich in diesem Konflikt gegenüber stehen, aber wenn man darüber _objektiv_ Diskutieren will, dann sollte man an der richtigen Stelle ansetzen, alles andere macht einfach keinen Sinn!

    Dass solche Denkweisen hier vielen Lesern auf den Magen schlägt kann ich verstehen, aber irgendwer muss hier einfach mal Klartext reden… verdammen Sie mich dafür… stempeln sie mich als Verschwöhrungstheoretiker, Iranfreund oder sonstiges ab… aber das ist einfach die Realität in der wir leben… auch wenn sie ihnen nicht gefällt – mir gefällt sie auch nicht.

    PS: Frau Enghusen, ich habe demletzt einen aktuellen Reisebericht über den Iran gelesen, dort war weder von galoppierender Inflation, noch von wütenden Protesten oder sonstigen wirtschaftlichen Schieflagen etwas im ganzen Lande zu sehen.
    Die wirtschaft Boomt, die Menschen haben ihr auskommen dort.
    Vielleicht bemühen Sie sich als Iranwissenschaftlerin selbst ein Bild vor Ort zu machen oder nehmen einen Blick ins WorldFactBook der cia über den Iran… dort sind einige interessante Dinge aufgeführt, die die nicht unerhebliche Wirtschaftskraft dieses Landes anschaulich untermauern.

    Mit freundlichen Grüßen

  4. thomas wagner Says:

    @ michael g.
    ich finde ihren beitrag zwar wesentlich interessanter und informativer, aber mindestens ebenso einseitig, wie der von frau enghusen. wer offen mit der vernichtung eines anderen landes droht, muss sich auch das ein oder andere misstrauen gefallen lassen.

    ich möchte ihren hinweis zu den wirtschaftlichen aspekten aber gerne aufgreifen. da es zumindest in deutschland scheinbar kein know how (und auch keinen impuls) gibt, diesen fragen in der angemessenen tiefe nachzugehen, bleibt jede rein „politische“ betrachtung zwangsläufig so unvollständig, dass sie letztlich unbrauchbar wird.

  5. Michael G. Says:

    Hallo Hr. Wagner,
    Sie haben auf jeden Fall Recht, denn meine Antwort ist einseitig ausgefallen. Die Gründe hierfür liegen darin, dass ich nicht mehr dabei zusehen kann, wie selbst auf solchen Plattformen wie diesen hier einfach nicht die Realität objektiv in betracht gezogen wird, sondern aus einer vorgefertigten Position heraus argumentiert wird.

    Ich bin trotzdem kein Verteidiger des Irans, aber wenn ich mir beispielsweise Interviews mit Ahmadinedschad anschaue, die er dem deutschen Staatsfernsehn vor kurzer Zeit gegeben hat und diese vergleiche mit Aussagen, die Kabinettsmitglieder aus Israel in Moment zum Besten geben… Kann ich bei solch einem Artikel einfach nicht ruhig bleiben.

    Wenn Sie mit Ihrem Satz „wer offen mit der vernichtung eines anderen landes droht“ auf die Aussage „Israel must be wiped off the map.“ Anspielen, die der iranische Präsident gesagt haben soll, so möchte ich Sie bitten, sich diesen Link hier zu Gemüte zu führen: http://www.sueddeutsche.de/kultur/umstrittenes-zitat-von-ahmadinedschad-der-iranische-schluesselsatz-1.287333

    Darüber hinaus bleibt ohne Zweifel auch noch genug Diskussionsstoff übrig, welches der beiden Länder das andere mehr hasst und gerne am anderen Ende der Welt sehen würde.

    Bei der Diskussion über die Wirtschaft des Iran kann ich Ihnen nur zustimmen… man sollte sich umfassender mit der Situation eines Landes beschäftigen um es besser verstehen und darüber diskutieren zu können.

  6. Mareike Enghusen Says:

    Herr Perthes: Vielen Dank für Ihr Feedback!

    Herr Anzinger: Ich stimme Ihnen voll zu! Dass ich dieses Thema hier aus Platzgründen nicht näher behandeln konnte, heißt keineswegs, dass ich es für weniger wichtig halte.

    Michael G.: Argumente der Art: „Sie haben Iranwissenschaft studiert, müssten es also doch besser wissen!“ lese ich oft. Die Logik dahinter ist: Sie sind nicht meiner Meinung, ergo haben Sie keine Ahnung. Das ist, mit Verlaub, eine ziemlich naive Auffassung von Wahrheit und Objektivität. Es gibt selbst Professoren der Nahostwissenschaften, die mir zustimmen würden; ebenso wie es selbstredend Professoren gibt, die IHNEN zustimmen würden. Ich hatte angenommen, dies sei eine Selbstverständlichkeit; aber ja, man kann dieselben Materialen studieren und dennoch in der Interpretation derselben voneinander abweichen. Nun zu Ihren sachlichen Argumenten:

    (1) Die Frage, was die IAEA wirklich über Irans Atomprogramm sagt, ist leicht zu klären, denn ihre Berichte sind öffentlich zugänglich. Schauen Sie mal hier: http://www.iaea.org/newscenter/focus/iaeairan/iaea_reports.shtml
    Im letzten Bericht vom August 2012 etwa ist zu lesen, dass Iran sich weigert, der Behörde nötige Informationen über seine Atomanlagen zur Verfügung zu stellen, wonach das Land jedoch verpflichtet ist (S.3). Weiter hat Iran „Aktivitäten unternommen“, die die Fähigkeit der Behörde, die Rechtmäßigkeit des iranischen Atomprogramms zu überprüfen, „signifikant behindern“; und einige der Aktivitäten in iranischen Atomanlagen „widersprechen den relevanten Resolutionen des Gouverneurrates [der IAEA] und des [UN-]Sicherheitsrates“. (S.3) Die IAEA beklagt wiederholt Irans „Mangel an Kooperation“ (S.6) und erklärt sich „zunehmend beunruhigt“ über undeklarierte Elemente des iranischen Atomprogramms, die auf den Bau einer Atombombe abzielen könnten. (S.8) Das Irans Atomprogramm „verdächtig“ ist, wie ich geschrieben habe – und von Ihnen bestritten wurde -, ist also nicht meine persönliche Meinung, sondern die Einschätzung der IAEA.
    (2) Ihre Schilderung der Schahzeit („Dieses Volk hat bis zur Revolution 1979 mehr mitgemacht, als die meisten anderen Völker auf der Erde…“) ist ahistorisch. Es liegt mir fern, die diktatorische Herrschaft des Schahs zu verherrlichen. Im Zuge und nach der Islamischen Revolution wurden allerdings bekanntermaßen weit mehr Menschen verhaftet und hingerichtet als unter dem Schah; und die Iraner haben übrigens auch nicht „aus Hunger und Durst“ gegen den Schah protestiert. Ohnehin ist das aber für die aktuelle Debatte irrelevant.
    (3) Schließlich zu Ihrer Behauptung: „Ich habe demletzt einen aktuellen Reisebericht über den Iran gelesen, dort war weder von galoppierender Inflation, noch von wütenden Protesten oder sonstigen wirtschaftlichen Schieflagen etwas im ganzen Lande zu sehen.
    Die wirtschaft Boomt, die Menschen haben ihr auskommen dort.“ Ich weise sie darauf hin, dass es nicht nur westliche, sondern auch iranische Zeitungen sind, die von Inflation und einer am Boden liegenden Wirtschaft berichten; und selbst Präsident Ahmadinedschad hat die wirtschaftlichen Probleme schon öffentlich zugegeben (und den Westen dafür beschuldigt): http://www.nytimes.com/2012/10/03/world/middleeast/iran-president-mahmoud-ahmadinejad-ties-currency-drop-to-sanctions.html?_r=0 Wenn Sie westlichen Quellen nicht trauen, verweise ich gern auf iranische Staatsmedien: http://www.farsnews.com/newstext.php?nn=13910711001220

  7. Michael G. Says:

    Hallo Frau Enghusen,
    vielleicht sollten Sie einmal in Erwägung ziehen, darüber nachzudenken, warum Sie oft zu hören bekommen, dass Sie es besser wissen müssten.
    Die Logik dahinter ist eher, dass jemand versuchen möchte Ihnen einen etwas differenzierteren Blick auf die Dinge zu geben. Sie verschließen die Augen vor der Wirklichkeit und vermitteln ein Bild von der Situation im Nahen Osten welches bar jedweder Realität ist.
    Meine Meinung basiert auf Fakten, die kann man schwarz auf weiß überall recherchieren und nachlesen. Mit ein bisschen gesundem Menschenverstand, Objektivität und Toleranz kann daraus jeder guten Willens eins und eins zusammenzählen und ist gar nicht so weit weg von dem, was wirklich gespielt wird.
    Sicher stimmen Ihnen gewisse Professoren zu, davon gehe ich stark aus. Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass auch diese einen sehr eingeengten Blickwinkel auf die Dinge haben, die „dort Unten“ vor sich gehen.

    Ich bin mir sicher, wir könnten hier tagelang über diverse Berichte, Klauseln und andere Sachverhalte diskutieren, die die IAEA „zunehmend beunruhigend“ findet und würden dort auch auf keinen grünen Zweig kommen.
    Mag sein, dass Paragraphenreiter damit ihren Spaß haben, aber ich glaube es ist wichtiger unsere Zeit darin zu investieren eine Stufe höher darüber zu Diskutieren, warum wieso weshalb dieses Theater überhaupt veranstaltet wird und wo des Pudels Kern wirklich begraben liegt.

    Warum meine kurzen Bemerkungen zur Schahzeit ahistorisch sein sollen, kann ich nicht nachvollziehen. Auch wenn diese Ihrer Meinung nach wohl überspitzt geschrieben sind, so steht hoffentlich außer Frage, dass etwas in einem Land _gewaltig_ schief laufen muss, wenn sich mehr oder minder das ganze Volk aufrafft und auf die Straße geht um ohne Rücksicht auf das persönliche Wohl die Führungsspitze eines Landes über den Jordan gehen zu lassen.

    Das der Iran mit gewissen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat, dessen bin ich mir bewusst. Das Land leidet seit 30(!) Jahren unter Sanktionen, die stetig verschärft werden. Keine Ölexporte, bald wohl auch kein Gas mehr in viele der westlichen Industrieländer fließen, welche das Gro der Verbraucher auf dem Globus stellen.
    Keine Importe von wichtigen Maschinen, Maschinenteilen, Autos, Ersatzteilen, Hochtechnologie, IT, selbst für die Bevölkerung wichtige Pharmaka und sogar Rollstühle können nicht mehr eingeführt werden… diese Aufzählung könnte man wohl ad absurdum fortführen…
    Dieses Jahr wurde der Iran noch von SWIFT abgekoppelt, was wohl schwerer wiegt als alle vorherigen Sanktionen zusammen.
    Wenn Sie mich fragen… der „Westen“ trägt keinen unerheblichen Teil dazu bei, dass der Iran wirtschaftliche Probleme hat.
    Dennoch gibt es Einiges an positiven zu bemerken…
    Im Iran leben beispielsweise über 35.000 Juden, und das nicht erst seit gestern. Allein in Teheran gibt es 18 Synagogen. Juden sind laut iranischer Verfassung gleichgestellt und geschützt. Es gibt jüdische Schulen, Bibliotheken, Kindergärten, Friedhöfe und Juden haben sogar im Iranischen Militär gedient und beispielsweise gegen den Irak gekämpft. Es müsste sogar noch einen jüdischen Abgeordneten im Parlament geben.
    Ich habe aber auch gehört, dass Israel allen Juden das Angebot gemacht hat, für 50.000$ pro Nase den Iran zu verlassen… bis jetzt ohne großen Erfolg.
    Was die Wirtschaft des Iran angeht, so steht das Land ebenfalls nicht ganz schlecht da… aber da empfehle ich wirklich einen Blick ins worldfactbook oder auf Statistiken der Weltbank und UNO…
    Nur am Rande sei noch bemerkt, dass der Iran auf dem 5. Platz von 193 Staaten auf der Welt liegt, was den Anteil der werktätigen Frauen angeht und auf dem 1. Platz in der Anzahl weiblicher Schüler im Vergleich zu männlichen… Iranische Frauen bilden darüber hinaus auch die Mehrheit an iranischen Universitäten… was sie dort studieren können und was nicht, steht natürlich auf einem anderen Blatt… aber wenn man hier an dieser Stelle anfangen möchte darüber zu diskutieren, sollte man vielleicht vorher einen Artikel darüber bemühen, wann denn Frauen in Saudi Arabien endlich anfangen dürfen, Auto zu fahren…

  8. Mareike Enghusen Says:

    @ Michael G: Iranisches Recht diskriminiert Frauen systematisch. Vor Gericht etwa ist die Aussage einer Frau halb so viel wert wie die eines Mannes. Nicht ohne Grund gibt es eine große Frauenrechtsbewegung in Iran, die gegen die Unterdrückung der Frauen kämpft: http://iranprimer.usip.org/resource/womens-movement Erst vor kurzem wurden übrigens Frauen an iranischen Universitäten von 77 Studienfächern ausgeschlossen. (http://www.aljazeera.com/news/middleeast/2012/09/201292211424417429.html) Selbstredend gibt es Länder, in denen Frauen noch weniger Rechte haben (Saudi-Arabien ist in der Tat eines der schlimmsten Beispiele.) Aber was soll denn das für ein Argument sein?

    Was die iranischen Juden angeht: Vor der Islamischen Revolution lebten 140,000–150,000 Juden im Iran. 85 Prozent (!) von ihnen haben das Land seit der Islamischen Revolution 1979 verlassen! Fahren Sie doch mal nach Kalifornien oder Israel, dort gibt es bekanntlich riesige Gemeinden emigrierter iranischer Juden, die Ihnen einiges erzählen können über das Leben in Iran.

  9. Michael G. Says:

    Iranisches Recht basiert auf Islamischen Recht, sprich dem Koran.
    Der ist bei mir gleich neben der Bibel im Regal zu finden und ich weiß, was in beiden Büchern steht. Vieles dort ist Auslegungssache und hat einen großen Interpretationsspielraum.
    Auch wenn wir oft und gerne versuchen den Weltverbesserer zu spielen, so sollten wir alle, die wir aus dem westlichen Kulturkreis kommen evlt. etwas unsere Arroganz zurückschrauben und einsehen, dass es in anderen Teilen der Welt auch andere Sitten, andere Auffassungen von Moral, Recht, Unrecht, Gleichbehandlung und Gleichstellung gibt – ob es uns gefällt oder nicht.

    Ich kann viele Gesetze aus fremden Kulturen ebenfalls nicht gut heißen, geschweige denn diese Verstehen. Dennoch habe ich weder das Recht, noch die Kompetenz mich dort einzumischen und nach eigenem Gutdünken festzulegen, was richtig und was falsch ist.
    Ebenso geht es auch Kulturen, wenn diese auf manche Eigenarten unserer „Welt“ blicken, aber diese haben zumeist mehr Respekt, als es bei uns der Fall ist.

    Was die Iranischen Juden angeht, dass dort vor der Revolution eine größere Anzahl von Juden lebten, war mir nicht bekannt und es gab sicher diverse Gründe, warum die meisten von ihnen zur Zeit der Revolution geflohen sind.
    Trotzdem, der Iran beherbergt die größte Jüdische Gemeinde außerhalb Israels im Nahen Osten und die Leute dort denken nicht daran, das Land zu verlassen.

    Ich möchte Sie aber an dieser Stelle fragen, ob Sie hier noch über die politische sowie Sicherheitslage in der Region diskutieren möchten oder nicht…
    Alles andere können wir uns sparen.

  10. Niklas Anzinger Says:

    @Michael G.

    Sie argumentieren im Sinne der Machthaber des totalitären iranischen Regimes. Die verteidigen ihre Sittenstrenge auch gerne mit dem Verweis auf die „islamische Kultur“ als dessen Exekutoren sie sich gerne sehen. Die iranische Frauenbewegung, die Frau Enghausen angesprochen hat, interessiert sie offensichtlich nicht. Eine zentrale Parole der Proteste im Zuge der Wahlfarce von 2009 war: „Freiheit ist nicht östlich oder westlich, sondern universal.“ Im Iran selbst ist die Frontstellung schon klar, aber westliche Kulturrelativierer finden anscheinend gerne eine Faszination an dem islamistischen Holocaustleugnerregime, welches die iranische Bevölkerung mittlerweile bis ins Mark hasst – das beruht auf Beidseitigkeit. Das Regime hasst emanzipierte Frauen, Homosexuelle, religiöse Minderheiten (z.B. Baha´i), den Westen im Allgemeinen, Israel und die USA im Besonderen und lebt daher in stetiger Paranoia vor seiner eigenen Bevölkerung.

  11. Michael G. Says:

    Ich argumentiere im Sinne der Selbstbestimmung anderer Länder sowie für die Toleranz für andere Kulturen.
    Werden Sie sich, Herr Anzinger, sich erstmal klar über den Begriff Totalitäres Regime, ehe Sie damit unbekümmert um sich werfen.
    Das Regierungssystem des Iran ist etwas komplexer, als das man es einfach mit diesem Totschlägerbegriff abstempeln könnte.
    Warum Sie dann noch wild Begriffe wie Holocaustleugner und Kulturrelativierer mit in den Topf werfen entzieht sich meinem Verständnis.
    Aber über dieses Dogma kann man schlecht diskutieren.

    Dass die iranische Regierungsform in unserem Kulturkreis keinen Anklang findet, dessen bin ich mir durchaus bewusst und auch ich finde, dass dort noch nicht aller Tage Abend sein sollte…
    Aber ich sehe es immer noch nicht ein, mir Kraft eigener Arroganz das Recht herauszunehmen über innenpolitische Sachverhalte anderer Länder zu richten!
    Vielleicht sollten Sie ihre Energie eher darauf verwenden, mal vor unserer eigenen Haustür Missstände in dieser Richtung offenzulegen, da gibt es WEIß GOTT genug Baustellen!
    Darüber Hinaus geht es hier in dieser Runde einfach nicht um dieses Thema, und das Netz bietet Ihnen sicher viele andere Möglichkeiten, um sich dahingehend zu enfalten…

  12. Niklas Anzinger Says:

    … im Sinne der Selbstbestimmung der Machthaber. Die iranischen Frauen und die größsten Teile der jungen Bevölkerung haben für ihr eigenes Recht der Selbstbestimmung gegen das Regime gestritten. Sie, Herr G. stellen sich gegen deren Selbstbestimmung. Ein „Land“ ist erstmal geographisch gemeint im ersten Sinne, im Weiteren die politische Herrschaft und der diplomatische Status in welchem die Grenzen anerkannt werden. Warum sollte man unterschiedliche Formen von politischer Herrschaft von der Kritik freisprechen? Sie stellen sich mit ihrer Position ebenso gegen die Kritik von internationalen Organisationen wie z.B. Amnesty International an der Menschenrechtssituation im Iran.

    Sie haben Zweifel daran, dass das iranische Regime den Holocaust leugnet?

  13. thomas wagner Says:

    @ Michael G

    Danke für den informativen Link. Schön auch, dass die weitere Diskussion etwas lebhafter wurde.

    Ansonsten lohnt die Auseinandersetzung mit der Frage, wie realistisch Szenarien atomarer Konflikte in Zukunft wirklich sein werden, wenn man sie denn zu Ende denkt. Welcher amerikanische, französische oder englische Regierungschef würde tatsächlich den Abschussbefehl auf eine (wo auch immer gelegene) Großstadt dieser Welt geben? Auf welcher Stufe der Eskalationsspirale müssten wir angekommen sein, dass dies überhaupt auch nur denkbar wird?

    Kein Land der Welt wird aus der „hohlen Hand“ einen atomaren Konflikt beginnen, also mit der definitiv letzten Option. Es ergäbe schlichtweg keinen Sinn.

    Interessanter ist die Frage, wie sich die Vielzahl an vorgeschalteten Eskalationsstufen beeinflussen lassen, die auf dem Weg dorthin zu nehmen sind? Und inwieweit der angedrohte Erstschlag Israels hier einige davon bereits überwinden würde, bzw. und die angezoegenen wirtschaftlichen Sanktionen ebenfalls weiter eskalieren?

    Aus strategischer Sicht schafft ein unüberlegter Erstschlag Israels erst den Grund für den Iran, sich aus (in seinen Augen) dann berechtigten Sicherheitsinteressen atomar zu bewaffnen. Mancher kühler Kopf im Iran wird vlt. bereits sehnsüchtig darauf warten.

    Fakt ist, dass, in chaotischen Phasen der Geschichte, tendenziell destruktive Kräfte an Einfluss gewinnen. Die wirtschaftliche Zerrüttung des Irans und die aufziehende Kriegsgefahr sind nur weitere Marksteine auf diesem Weg und könnten daher eigentlich nicht im Interesse zumindest des Westens sein. Von der weltweiten Gesamtsituation hinsichtlich zunehmender struktureller Auflösungserscheinungen, oder den wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen mal ganz abgesehen.

    Die entscheidenden Fragen bleiben also nach wie vor unbeantwortet.

  14. Michael G. Says:

    Hallo Hr. Wagner, danke für Ihre Antwort.

    Gern geschehen mit dem Link. Bin froh, dass wenigstens in interessierten Kreisen ein gewisses Maß an Aufklärungsarbeit geleistet werden kann ohne dass sofort abgeblockt wird… Die große Masse ist dafür leider noch nicht zu erreichen/gewinnen…
    Ich denke, dass ein Konflikt mit Atomwaffeneinsatz trotz all der Grausamkeiten, die heute in den modernen Kriegen mit voller Absicht praktiziert werden, nicht realistisch ist.
    Heutzutage ist die Menschheit mMn zumindest in dieser Hinsicht aufgeklärt genug, als das solch ein Akt nicht nur aufs schärfste verurteilt werden würde. Darüber hinaus hätten die Länder, die sich an so etwas beteiligen würden, wohl international jedweden Kredit verspielt und könnten einpacken.
    Ich weiß, dass es von militärischer Seite aus diverse Planspiele mit dem Einsatz von Atomwaffen gibt und diese von jenen Zirkeln auch ernsthaft in Erwägung gezogen werden, wenn es um den Einsatz geht.
    Gerade die Pläne der NATO zu Zeiten des Kalten Krieges haben gezeigt (sind ja öffentlich mehr oder weniger zugänglich), dass Militärs da keine Skrupel kennen… oder dem Argument nachgehen, dass undenkbare zu denken (bei einem ernsthaften Angriff des Ostblocks gen Westen wäre Westdeutschland nach Plan großflächig mit Atombomben überzogen worden um die 40.000 Panzer zu stoppen).
    Wie auch immer, die Politik hat bisher im entscheidenden Moment einen kühlen Kopf bewiesen (gutes Beispiel Kubakrise) und sogar daraus gelernt. Ich denke, dass der Selbsterhaltungstrieb einer jeden Regierung auf dieser Welt groß genug ist um auf den Einsatz dieser Waffen zu verzichten.
    Sie haben deswegen mit Ihrer Aussage zu 100% Recht… es ergibt einfach keinen Sinn!
    Welches Abschreckungspotential Atomwaffen darüber hinaus bieten, das steht ohne Frage auf einem ganz anderen Blatt. Aber auch über den Aspekt des Kräftegleichgewichtes und der daraus resultierenden Stabilität kann man durchaus ernsthaft diskutieren.

    Ich denke nicht, dass Israel auf dem Weg ist, den Einsatz von Atomwaffen in Erwägung zu ziehen… Denn die Zionisten wissen hoffentlich ganz genau, dass das kleine Fleckchen Land einfach dem Erdboden gleichgemacht werden würde… und damit wäre deren Ideologie an die Wand gefahren.
    Wie es mit einem Erstschlag aussieht… Israel hat einfach nicht die nötigen Kapazitäten, wie von der Autorin schon festgestellt. Die Amerikaner fahren zwar öffentlich noch die Linie, keinen Erstschlag zu befürworten, aber hinter den Kulissen wird seit Jahr und Tag schon kräftig gewerkelt… Konnte man ausnahmsweise ganz gut aktuell in der Presse verfolgen, als die Briten den Amis heute eine Absage erteilt haben was die Nutzung der Basen auf britischem Grund für Einsätze in Zusammenhang mit dem Iran angeht. Wenigstens das Empire bleibt also noch auf dem Boden, denn es geht langsam in der Tat ums Ganze…
    Falls ein Erstschlag doch kommen sollte, dann wird alles auf den Kopf gestellt und zwar überall auf der Welt… dann wird der evtl. entstehende Wille der Iraner, sich atomar zu bewaffnen, das kleinste Problem sein, mit dem wir dann zu kämpfen hätten…
    Ich finde Russland sollte dem Iran endlich die S300 liefern um diesem ganzen Hickhack ein Ende zu bereiten… warum dieser Vertrag von den Russen gebrochen wurde bleibt mir ein Rätsel.
    Dass in chaotischen Phasen destruktive Kräfte an Einfluss gewinnen, da haben sie wohl recht 🙂 Kann man nur ans Gute glauben und aufs Beste hoffen. Wenns nach den Pessimisten gehen würde, wäre die Welt schon 100x untergegangen.
    Die Wirtschaft des Iran ist nicht derart schwach oder auf dem absteigenden Ast, wie es oft dargestellt wird. Sicher hat das Land Probleme mit den Sanktionen, aber in Anbetracht dessen schlagen sich die Perser sehr gut. Man könnte hier diverse Statistiken heranziehen, aber jeder kann googeln und sich selbst ein Bild darüber machen, dass der Iran wirtschaftlich nicht so schlecht dasteht wie man denkt…
    Darüber hinaus wurde meiner Meinung nach die schärfste Sanktion, der Ausschluss von SWIFT, bereits gezogen… mehr geht nicht…
    Aber wie oben schon niedergeschrieben, sind die Ziele des „Westens“ in der Region sehr viel ambitionierter als nur auf dieses Atomprogramm bezogen… Diese Ziele werden auch nicht erst seit gestern, sondern schon seit Jahrzehnten verfolgt. Dort muss eine Änderung der Ansichten erfolgen hin zu einer Bipolaren Welt, wo alle mehr oder minder gleichberechtigt sind…
    Dazu fehlt aber auch noch das nötige Wirtschaftssystem/-model und und und… viele Baustellen… hoffen wir, dass die von Ihnen so schön beschriebene Lage der weltweiten Gesamtsituation nicht noch mehr an Fahrt gewinnt bis dort endlich an der Wurzel aller Probleme angesetzt wird.

  15. Michael G. Says:

    Streiche Bipolar, setze Multipolar

  16. thomas wagner Says:

    „…hin zu einer Multipolaren Welt, wo alle mehr oder minder gleichberechtigt sind…“

    Gleichberechtigt und gleich verantwortlich. Von diesem Wandel wird geredet, er wird eingesehen, aber wenn er stattfindet, ist es mit der Lockerheit sofort vorbei. Dann werden alle Kräfte dagegen mobilisiert, die zur Verfügung stehen. Dieser Widerspruch zwischen dem Verständnis und dem Verhalten ist so groß, dass er erstmal erkannt und aufgelöst werden muss, bevor man sich mit solchen „Konzepten“ zu Problemlösungen aufmacht.

    In diesem Sinne sind Atomwaffen eine Metapher für „Vertrauen“. Um eines klarzustellen: Atomwaffen haben nichts in den Händen gemeiner Terroristen zu suchen und wir sollten alles erdenklich mögliche tun, um dies zu verhindern. Gleich danach stellt sich aber die Frage, warum wir Länder, wie den Iran, oder Nordkorea scheinbar mit Terroristen gleichsetzen? Welchem Land würden wir denn überhaupt noch Atomwaffen zubilligen, außer denen, die sie schon haben? Hier wird es ganz schnell sehr übersichtlich. der Schweiz und Norwegen?

    Hier verbergen sich mehrere fragwürdige Grundannahmen, die einer kritischen Prüfung bedürfen:

    1. Uns kann man vertrauen (die westlichen Führungsmächte). Denn schließlich sind wir ja wir und das ist auch gut so.

    2. Alle anderen können (müssen, weil sie keine Wahl haben) uns vertrauen, denn wir sind ja wir (siehe oben)

    3. Wir vertrauen dagegen niemandem (müssen wir auch nicht, denn wir haben ja Atomwaffen und können überall zu jeder Zeit mit unserer militärischen Überlegenheit Probleme „lösen“)

    Ich könnte das noch weiter ausdehnen, belasse es aber aus Gründen der Übersichtlichkeit dabei. Wir fühlen uns gut, denn das System läuft ganz klar in unserem Sinne. Wie die anderen sich fühlen und was sie darüber denken interessiert uns nicht. Schon gar nicht bei denen, die offensichtlich immer noch im Lendenschurz ums Lagerfeuer hüpfen und mit ein paar Glasperlen von unserer Überlegenheit zu überzeugen sind.

    Das ist polemisch, aber es hat einen wahren Kern. Wir drücken uns konsequent vor der Frage, wieviel Vertrauen „wir“ bereit sind zuzulassen und ob wir erkennen können, dass wir uns das vertrauen der anderen nicht erworben, sondern „genommen“ habe?

    wir behaupten, wir hätten das Verständnis, aber tatsächlich fehlen uns wichtige Dimensionen zum Verständnis der Welt, was dazu führt, dass sich so eine riesige Kluft zwischen unseren Annahmen, Prognosen, Erwartungen und der Wirklichkeit auftut. Dass dies so ist, lässt sich ändern. Unser Problem ist und wird es noch sehr viel mehr werden: Es gibt kein Bewusstsein für diese übergeordneten Zusammenhänge, womit sie sich einer Lösung entziehen.

    Wir werden gelöst und damit sind wir kein bisschen besser, als die Leute im 20., 19. oder 18. Jahrhundert. also werden weiter Sprengköpfe gezählt und mit jeder ergriffenen Maßnahme nimmt die Geschwindigkeit der Eskalation weiter zu, die wir doch eigentlich damit verhindern wollten.

    Aber auch in dieser Frage zählt nicht was man sagt, sondern wer es tut.

  17. Mareike Enghusen Says:

    Lieber Herr Wagner,

    es ist leicht, eine multipolare, „gerechte“ und „gleichberechtigte“ Welt zu fordern. Wer möchte schon gegen Gerechtigkeit argumentieren? Ähnlich leicht ist es, die angebliche Arroganz und Ungerechtigkeit westlicher Staaten anzuprangern. Sie haben ja Recht: Der Westen und allen Voran die USA arbeiten daran, ihre Vormachtstellung in der Welt zu erhalten anstatt freiwillig die eigene Macht zugunsten anderer Länder, inklusive Iran und Nordkorea, zu reduzieren. Sie finden das offenbar empörend. Mit Verlaub: Das ist eine ehrenwerte, aber ziemlich naive Vorstellung von internationaler Politik. Wie, meinen Sie, würden sich Iran, Nordkorea, Russland, China als militärische Supermacht verhalten? Meinen Sie, eines dieser Länder – oder überhaupt irgendein Land auf der Welt – wünscht sich ehrlich globale „Gleichberechtigung“? Nein. Jedes Land auf der Welt hat Interessen: ökonomische, politische, strategische, zuweilen weltanscheuliche/ideologische. Jedes Land auf der Welt arbeitet daraufhin, seine Interessen durchzusetzen. Das gilt für Deutschland wie für Iran wie für die USA wie für Schweden wie für Nordkorea. Deutschlands Interessen sind näher an den französischen als an, sagen wir, Nordkoreas, aus einer Vielzahl von Gründen, inklusive weltanschaulichen. Deshalb kooperieren wir enger mit Frankreich als mit Nordkorea. Deshalb stört uns die nordkoreanische Atombombe mehr als die französische. Ob Sie das nun gerecht finden oder nicht.

  18. thomas wagner Says:

    Da gebe ich Ihnen in allem Recht Frau Enghusen und trotzdem nützt es nichts, weil das Problem ganz woanders liegt. Erfolgreiche Politik zu machen, bedeutet, über Modelle zu verfügen, die die Wirklichkeit möglichst umfasssend erklären können und daraus wiederum treffsichere Prognosen generieren.

    Was ich sehe, und vlt. täusche ich mich da, ist, dass nahezu kein Lösungsversuch der Politik mehr „funktioniert“. Sei es in der Eurokrise, der Außenpolitik, oder auch in der Innenpolitik. Nehmen Sie Syrien, den Iran, Lybien, Afghanistan, die Osteuropapolitik, was auch immer Sie wollen. Im Umkehrschluss bedeutet das -> unsere Modelle/Denkansätze/Erklärungsversuche funktionieren nicht mehr oder sind zumindest in wesentlichen Teilen unvollständig.

    Das dies 1. so ist und das es 2. niemandem auffällt, sind kohärente Bestandteile derselben Problemlage, die sich damit nicht so ohne weiteres auflösen lässt. Während Kritik, Veränderungsbereitschaft und Flexibilität aus dem eigenen Selbstverständnis heraus leidenschaftlich gern gewählte Themen lauschiger Talkrunden sind, „passiert“ dies allerdings tatsächlich an anderen Ecken der Welt tagtäglich und zwar sehr erfolgreich.

    Dass der südkoreanische Autokonzern Hyundai in Rüsselsheim ein eigenes Entwicklungszentrum in Deutschland mit 400 Ingenieuren unterhält und in einen schrumpfenden Markt expandiert, zeigt eindrucksvoll, dass Einsicht und Handeln nicht zwangsläufig so weit auseinanderfallen müssen, wie bei uns und „dazulernen“ tatsächlich eine reale Option ist, die sich nutzen lässt.

    Der erfolgreiche Unternehmer Henry Ford sagte einmal, er „prüfe jedes Angebot, denn es könnte das Angebot seines Lebens sein“. Darin verbirgt sich eine hochprofessionelle Sicht auf die Welt, die grundsätzlich davon ausgeht, dass es außerhalb des eigenen Horizontes grundsätzlich mehr Wissen zu erwerben gibt, als worüber man momentan verfügt.

    Ich nehme bei all meinen Begegnungen leider nur die gegenteilige Sichtweise wahr. Und sollte mein Hinweis überraschender Weise doch mal eine Reaktion provozieren, ist dies immer eine abwehrende. Um zu verstehen, was das heißt, braucht man kein Studium der Politikwissenschaften. Alles beginnt mit der „Einstellung“ und diese kritisiere ich hier. Weil ich jeden Tag in den Nachrichten sehe, wozu das führt.

  19. Michael G. Says:

    Hr Anzinger,
    hab hier noch was nettes für Sie gefunden….
    http://www.youtube.com/watch?v=q_XAeqtY7Sk&feature=player_embedded

    das ist btw kein Fake…

    Schönen Abend






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